Lehrerin angeklagt

Klasse prüft Blutzucker: Mit nur einer Nadel

+
Die Schüler haben sich mit dem Messgerät alle freiwillig in den Finger gestochen.

Göttingen - Der kollektive Blutzuckertest einer Göttinger Berufsschulklasse hat ein juristisches Nachspiel. Eltern klagen für ihr Kind auf Schmerzensgeld. Die Jugendlichen hatten sich in den Daumen stechen müssen. Eine Lehrerin hatte alle zwölf Jugendlichen ihr Blut testen lassen – alle mit derselben Nadel.

Der Vorfall in einer Göttinger Berufsschule wird von der Landesschulbehörde bestätigt. Es gebe ein Klageverfahren gegen die Behörde, sagt Pressesprecherin Bianca Schöneich. Die Schule habe gegen die Lehrerin „umgehend die notwendigen personalrechtlichen Maßnahmen ergriffen“. Zu der Frage, ob die Pädagogin noch weiter unterrichte, sagt Schöneich: „Die Lehrerin ist wegen eines befristeten Anstellungsverhältnisses zumindest an dieser Schule nicht mehr tätig.“

Inzwischen haben die Eltern eines Schülers beim Landgericht Göttingen eine Klage auf Schmerzensgeld in der Höhe von 3000 Euro eingereicht sowie einen so genannten Feststellungsantrag gestellt. Damit soll die Rechtswidrigkeit des Bluttests festgestellt werden. Das bestätigt der Sprecher des Landgerichts, Dirk Beulshausen. Die Klage richtet sich gegen das Land Niedersachsen und ist, weil es um Amtshaftung geht, gleich beim Landgericht anhängig.

Bei dem Bluttest mit einem Messgerät sollen die minderjährigen Schüler sich allerdings alle freiwillig in den Daumen gestochen haben, um einen Tropfen Blut zu gewinnen, in dem der Blutzucker gemessen werden konnte. Dabei soll immer dasselbe Gerät mit ein und derselben Nadel benutzt worden sein. Ob und wie diese desinfiziert wurde, ist unklar. Es soll aber bisher keine Infektionen durch die kollektive Nutzung der Nadel gegeben haben. Eine Klageerwiderung der Lehrerin, so Beulshausen, liege dem Gericht noch nicht vor.

Von Jürgen Gückel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare