Prozess

Klaus Volkerts Ex-Geliebte kann nicht kommen

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Im vergangenen Mai kam Adriana Barros aus Brasilien zum Amtsgericht Wolfsburg.

Braunschweig - Die Hauptperson war nicht da. Das Landgericht Braunschweig wollte sich gern einen persönlich Eindruck von der früheren Geliebten des ehemaligen VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert machen. Aber die Brasilianerin konnte nicht kommen. Sie hatte weder das Geld noch die Gesundheit für einen so weiten Flug.

Das Gericht möchte ungern auf Adriana Maravalhas de Carvalho Barros verzichten. Die 10. kleine Strafkammer am Landgericht Braunschweig möchte die Frau gerne persönlich erleben, die der frühere VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert regelmäßig aus Brasilien einfliegen ließ, um ihr fern der eigenen Ehefrau nahe zu sein. Die Kammer möchte sich ein Bild machen von der heute 48-Jährigen, die sagt, sie habe nicht gewusst, dass nicht Volkert für die Liebesreisen gezahlt habe, sondern die Volkswagen AG. Die Brasilianerin muss sich in zweiter Instanz wegen Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen verantworten.

Es gehe auch um „Naivität“, so hat Richter Andreas Kreutzer es am Dienstag formuliert. Deshalb möchte er sich einen persönlichen Eindruck von Adriana Barros machen. Und so war der gestrige Anfang der Berufungsverhandlung um die VW-Affäre auch gleich ihr vorläufiges Ende. Denn die Brasilianerin möchte nach Bekunden ihres Anwaltes Hans-Joachim Gerst gerne am Prozess teilnehmen, sei jedoch derzeit gesundheitlich wie finanziell verhindert. Ist sie erst genesen, würde das Gericht ihr bei Bedarf die Kosten für die Flüge von São Paulo nach Braunschweig zumindest vorstrecken, versichert Richter Kreutzer am Dienstag.

Der Prozess wird also demnächst noch einmal von vorne beginnen. Vielleicht in einigen Monaten, wie der Richter spekulierte, oder in einigen Wochen, wie es die Einschätzung von Barros` Verteidiger ist. Zumindest wohl mit Adriana Barros, die Tränen der Erleichterung vergoss, als das Amtsgericht Wolfsburg sie im Mai 2012 freisprach. Doch die Freudentränen waren verfrüht, wie sich zeigte. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Nun ist das Landgericht Braunschweig zuständig.

Barros hat ihre VW-Affäre immer als eine höchst private dargestellt. Eine mit einem verheirateten Mann zwar, aber keine, von der sie jemals gedacht habe, dass sie dazu beitragen könnte, einen Konzern ins Wanken zu bringen.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Barros es zumindest billigend in Kauf genommen hat, dass Volkert ihr auf VW-Kosten mehrere Hunderttausend Euro zuschusterte. Allein von April 2002 bis März 2005 soll VW ein Schaden von rund 350.000 Euro entstanden sein.

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