Quads

Kleine Karren kommen unter die Lupe

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Quad: Motorrad mit vier Rädern? Auto ohne Knautschzone? Schon die Einordnung durch Behörden macht Mühe.

- Unfallforscher halten die 116.000 Quads in Deutschland für ziemlich unsicher – und beleuchten die Risiken jetzt erstmals in einer großen Studie.

Irgendwie sehen sie putzig aus, wie Spielzeuge, mit ihren vier überdimensional dicken Reifen. 116.000 Quads düsen in Deutschland inzwischen über Straßen und Wege. Sommerzeit ist Quad-Zeit. Aber dann tauchen regelmäßig solche Schlagzeilen auf: „Neunjähriges Mädchen mit Quad schwer verletzt“, „82-Jährige bei Quad-Unfall leicht verletzt“, „Quad-Fahrer stirbt bei Unfall“. Obwohl sie bereits seit Jahren zum Straßenbild gehören, weiß eigentlich niemand so genau, wie sicher oder unsicher der Quad-Fahrspaß ist. Das soll sich jetzt ändern.

In den Unfallstatistiken sollen die Quads im kommenden Jahr erstmals als eigene Kategorie ausgewiesen werden, wie ein ADAC-Sprecher betont. Bislang wurden Quad-Unfälle von der Polizei mal wegen ihrer Bauart den Motorradunfällen, mal – wegen der vier Reifen – den Autos zugerechnet. Deshalb gibt es auch in Niedersachsen kaum verlässliche Angaben. Das Kraftfahrt-Bundesamt erfasst die Quads als „leichte vierrädrige Kfz“.

Die Versicherer treibt die Frage um, welche Risiken sie da eigentlich versichern. Ihre Unfallforscher arbeiten daher zurzeit an einer großen Studie über die Risiken der Quads. „Die Datenlage ist bislang äußerst dürftig“, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. Im kommenden Herbst wollen die Forscher ihre Ergebnisse vorstellen.

„Quads sind durch ihre schmale Spurweite relativ kippgefährdet, in Kurven kann das schon bei geringem Tempo sehr schnell gehen“, sagt Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrtexperte beim TÜV Rheinland. „Sie kombinieren sämtliche Nachteile von Auto und Motorrad: Keine Knautschzone, keine elektrischen Stabilitätshelfer, keine Kurvenlage.“ Schon ein kleiner Ausweichschlenker kann das Quad auf die Seite legen. Für die Straßenzulassung müssen die Quads lediglich die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen. Zwar gibt es bei den Gefährten am Markt deutliche Qualitäts- und Preisunterschiede, aber das sei in der Regel nicht entscheidend: „Mehr als 90 Prozent der Unfälle werden durch die Fahrer verursacht, nicht durch die Fahrzeugtechnik.“

Seit 2006 gilt für Quads die Helmpflicht. Als Schutzkleidung sollte das Motorradniveau gelten. Quads sind wegen ihrer ganz eigenen Fahrweise stark gewöhnungsbedürftig. Als beste Sicherheitsmaßnahme empfehlen viele Experten ein Fahrtraining.

Frank Christiansen

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