Umstrittene Investition

Klosterkammer begründet Brauereikauf

+
Foto: Eine Brauerei passend zum Kloster Wöltingerode: Die Klosterkammer verteidigt den Kauf.

Hannover - Wofür braucht die Klosterkammer eine Brauerei? Die Investition widerspricht dem Stiftungszweck, werfen SPD und Linke Kammerpräsident Hans-Christian Biallas vor. Die Klosterkammer rechtfertigt sich: Eine Brauerei passt hervorragend zum Kloster Wöltingerode – ebenfalls in ihrem Besitz.

„Der Kauf der Altenauer Brauerei im Harz passt sehr gut in unser Konzept für das Klostergut Wöltingerode – er ist durchgerechnet und zahlt sich aus.“ Mit diesen Worten hat der Direktor der Klosterkammer, Andreas Hesse, jetzt Vorwürfe der Linken und der SPD-Abgeordneten Frauke Heiligenstadt zurückgewiesen, die den Sinn des Brauereikaufs bezweifeln. Hesse wies darauf hin, dass die Klosterkammer bereits seit einigen Jahren Ausgründungen vorgenommen habe und in diesem Zuge auch 2007 das Klostergut Wöltingerode bei Goslar erworben habe. „Dort haben wir mittlerweile 180.000 bis 200.000 Besucher im Jahr. Die Altenauer-Brauerei hat für uns als Auftragsbrauerei gearbeitet. Als sie insolvent ging, lag es nahe, sie zu übernehmen.“

Die Brauerei habe Potenzial, Wirtschaftsfachleute hätten sich vor dem Ankauf die wirtschaftlichen Verhältnisse „sehr genau angeschaut“, sagte Hesse. Auch die Stiftungsaufsicht habe das Projekt genehmigt. Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas wies darauf hin, dass die Klosterkammer in der Region um Goslar 2000 Erbaurechte habe, davon 180 gewerbliche. Sie sei gefragt worden, ob sie sich nicht engagieren wolle, auch von örtlichen SPD-Politikern. „Wir sehen schon unsere Verantwortung für den Harz und investieren, soweit es wirtschaftlich sinnvoll und machbar ist“, sagte Biallas.

Vorwürfe, er würde wie ein Gutsherr agieren, wies Biallas zurück. „Ich habe mir alle Mühe gegeben, dass wir transparenter werden hinsichtlich der Entscheidungen.“ Bereits im vergangenen Jahr habe er dafür gesorgt, dass im Jahresbericht über die Arbeit der Stiftung alle relevanten Zahlen aufgelistet worden sind. „Das ist jedem Abgeordneten ins Fach gelegt worden, transparenter kann man es nicht machen.“ Biallas deutete an, das es noch einige Organisationsänderungen in der Klosterkammer geben werden.

Auf radikale Reformen dringt die Landtagsfraktion Die Linke. Fraktionsvorsitzender Henning Adler sagte, die Kammer müsse demokratischer und die Macht des Präsidenten begrenzt werden: „Wir möchten das Ermessen des Präsidenten an die Kette legen.“ Das gehe aber nur über ein neues Gesetz zur Klosterkammer, das die Linke dem Landtag vorlege. Hintergrund des Gesetzesvorstoßes sei die Unzufriedenheit von Erbbaunehmern über jüngste Pachterhöhungen, vor allem in Gebieten, wo die Klosterkammer ein Monopol habe. Da die Pächter auf dem Prozesswege nicht weiterkämen, müsse man politisch etwas tun. Die Klosterkammer ist mit 16500 Erbaupachtverträgen einer der größten Verwalter von Erbbaurechten in Deutschland. Sie ist nach bisherigem Recht als Stiftung ziemlich unabhängig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare