Marder als Testbeißer

Knabbern für die Autoindustrie

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Tierischer Autotester: Ein Steinmarder im Otterzentrum.

Hankensbüttel - Im Otterzentrum in Hankensbüttel im Kreis Gifhorn lassen Autofirmen und Zulieferer Autokabel auf Mardersicherheit überprüfen.

Der Marder ist der natürliche Feind des gemeinen Autokabels. Damit hat er sich in der Vergangenheit eine ganze Menge Antipathiepunkte beim Menschen – zumindest beim Menschen mit Auto – erarbeitet. Um Schäden am Zündkabel, den Kühlwasserschläuchen oder Stromleitungen zu vermeiden, arbeiten Autohersteller und ihre Zulieferer seit Jahren an Ideen und Konzepten, um die Tiere von den Gummischläuchen und Kabeln im Wageninneren fernzuhalten. Wie Marder auf neue Kabel reagieren, lassen die Firmen häufig im Otterzentrum in Hankensbüttel im Kreis Gifhorn testen.

Fünf Testbeißer gibt es in Hankensbüttel

„Wir arbeiten hier für fast alle großen Hersteller und Zulieferfirmen – europaweit“, sagt Hans-Heinrich Krüger vom Otterzentrum. In den meisten Fällen stecken die Mitarbeiter der Anlage in Hankensbüttel den fünf Steinmardern, die als Testbeißer infrage kommen, Kabel ins Gehege. In der Regel passiere dann anfangs nichts, denn Marder scheuen erst einmal alles, was neu ist. Erst nach einiger Zeit siegt die Neugier über die konservative Grundhaltung der Nager. „Dann entscheidet sich, welche Kabel und Schläuche schnell zerbissen werden und welche akzeptabel konzipiert wurden“, sagt Krüger. Ein Testversuch dauert vier bis acht Wochen. Manche Firmen wollen darüber hinaus testen lassen, ob der Motorraum dicht ist. „Auch diese Überprüfungen führen wir hier durch“, sagt Krüger, der im Otterzentrum für Tierschutz verantwortlich zeichnet. Dann werde per Videokamera beobachtet, ob sich die Steinmarder einen Weg zum Motor bahnen können.

Schäden durch Marder sind kein marginales Problem. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft spricht von 200.000 Fällen bundesweit. Der jährliche Schaden liegt demnach bei rund 60 Millionen Euro. Das Otterzentrum bietet die Untersuchungen bereits seit acht Jahren an. Zurzeit nehme die Nachfrage aber zu, weil mehr Elektroautos gebaut werden, sagt Krüger. „In den Wagen befindet sich sehr viel Kabelage. Wenn da ein Zahn durchkommt, entsteht ein großer Schaden.“

Marder markieren alles

Gründe, sich unters Blech zu verziehen, hat der Steinmarder mehrere. „Zum einen versteckt er sich gern, auch im Motorraum. Wenn sich dann ein Kabel im Weg befindet, zerbeißt er es“, erläutert Krüger. Die pelzigen Tiere seien aber auch sehr auf ihr Revier bedacht. „Sie markieren alles.“ Wenn sie die Spuren eines anderen Marders unter der Motorhaube riechen, kippt ihre Stimmung schon mal ins Aggressive. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Kabel angebissen werden“, sagt der Wildbiologe.

Mittlerweile schreibt das Otterzentrum sogar Gutachten. „Wegen einer neuen EU-Verordnung müssen künftig für marderabweisende Mittel Nachweise der Wirksamkeit erbracht werden“, berichtet Krüger. So spült die Liebe des Marders zum Autokabel auch weiterhin ein wenig zusätzliches Geld in die Kassen des Otterzentrums.

Was hilft gegen Marderbisse?

Zur Familie der Marder gehören unter anderem Otter, Dachse, Iltisse und Nerze. Im engeren Sinne meint man aber mit dem Begriff die sogenannten echten Marder, also Stein- oder Baummarder. Im Otterzentrum in Hankensbüttel, wo viele der genannten Arten gezeigt werden, sind es die Steinmarder, die die Autoschläuche und -kabel auf ihre Beißfestigkeit testen.

Um Marder vom Auto fernzuhalten, werden zahlreiche Mittel und Wege angeboten. „Geruchsstoffe und Ultraschall helfen aber oft nur kurzfristig, weil sich die intelligenten Tiere rasch daran gewöhnen“, sagt Hans-Heinrich Krüger, Wildbiologe am Otterzentrum. Er empfiehlt, die Kabel zu ummanteln. Hartplastik bereite den Tieren weitaus mehr Probleme als Gummi, sagt Krüger. Eine andere Methode sei, die Marder mit kleinen Stromschlägen nach dem Wirkungsprinzip eines elektrischen Weidezauns vom Eindringen ins Auto abzuhalten, meint der Experte. Dies sei ein sehr wirksames Verfahren. Es schade den Tieren nicht, sondern sei nur sehr unangenehm für sie. Manche Autohalter spannen auch einen Maschendraht in den Motorraum, um die Marder abzuhalten. Dies sei so lange wirksam, wie der Draht nach Mensch riecht. „Denn Menschengeruch meiden die Marder“, sagt Krüger.

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