Königshaus rügt junge Modeikone

Der Knie-Fall

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Foto: Ups: Herzogin Kate fliegt bei einem Gespräch mit Soldaten in Kanada der Rock hoch.

London - Herzogin Kate galt bisher als Stilikone – nun soll die Queen ihre zu kurzen Röcke kritisiert haben. Ausgerechnet kurz vor dem 80. Geburtstag von Minirock-Erfinderin Mary Quant.

Wie kurz darf ein Rock sein? Über diese Frage wird derzeit in Großbritannien eifrig diskutiert - und zwar als staatstragende Angelegenheit. Mary Quant dürfte darüber wohl schmunzeln, denn zufällig fällt die Debatte mit einem runden Geburtstag der Minirock-Erfinderin zusammen. Quant wird am 11. Februar 80 Jahre alt. Die Britin zählte Anfang der sechziger Jahren zu den ersten Designern, die es wagten, den Rocksaum gefährlich weit nach oben rutschen zu lassen. Von da an war der Minirock zwar zunächst Skandalobjekt, aus der Mode aber ist er seitdem nicht mehr wegzudenken. Doch im britischen Königshaus geht es natürlich nicht allein um Mode.

Glaubt man einem Bericht des britischen Boulevardblatts „Daily Mail“ soll es Queen Elizabeth II. sein, die ihr Missfallen an den zu kurzen Röcken geäußert hat. Das allerdings nicht generell, sondern in einem speziellen Fall: Die britische Regentin - die Quant übrigens mit dem britischen Verdienstorden ausgezeichnet hat - ist offenbar in Sorge darüber, dass das Erscheinungsbild von Herzogin Kate bei offiziellen Anlässen dem Königshaus nicht gerecht werden könnte. Von nun an soll daher Angela Kelly, 61-jährige Chefdesignerin der Queen, Hand an Kates Outfit legen.

Spätestens, wenn die Herzogin von Cambridge gemeinsam mit Baby George und Ehemann Prinz William Anfang April nach Australien aufbricht und dort die Queen als Mitglied des Königshauses vertritt, soll der Rocksaum tiefer sitzen. „Kate wird so königlich aussehen wie noch nie“, heißt es. Sie werde mehr Diademe tragen und mehr königliche Eleganz ausstrahlen.

Kelly, seit 1993 in den Diensten der Queen, ist bekannt für die Akribie, mit der sie die Regentin ausstattet. Im Hintergrund steht eine einfache Formel: Die britische Monarchin ist Repräsentantin des Landes, sie steht für den Glanz des britischen Königreichs. Die Menschen kommen von weit her, um vielleicht auch nur einmal im Leben einen Blick auf sie werfen zu können - da soll die Königin einwandfrei aussehen. Deshalb sind ihr auch nur Regenschirme aus durchsichtigem Plastik erlaubt: Das Volk soll schließlich bei öffentlichen Auftritten immer das Gesicht der Königin sehen können

Kate, Ehefrau des Zweiten in der britischen Thronfolge und seitdem eigentlich Catherine, war bisher für ihr überraschend herzliches Verhältnis zur strengen Queen bekannt. Auch stand sie bisher noch nicht in Verdacht, dem königlichen Ideal in Stilfragen nicht zu genügen. Im Gegenteil: Schon vor der Hochzeit mit Prinz William gilt sie über das Vereinigte Königreich hinaus als Stilikone, die stets Gespür für das dem Anlass entsprechende Erscheinungsbild besaß, die sich ihr Aussehen aber auch nicht diktieren ließ. Vielmehr kombiniert Kate mit Leichtigkeit aktuelle Mode mit einem leichten Hang zum Konservatismus, was ihrer Rolle durchaus angemessen erschien - und zudem Tausende Nachahmer fand.

Die Chefin

Bis zu zwölf Näherinnen und drei Modistinnen arbeiten an der Garderobe der Queen, an ihrer Spitze steht die 61-jährige Angela Kelly, die ursprünglich als Ankleiderin an den Hof gekommen war. Als persönliche Designerin der Queen bereitet sie oft vier Entwürfe für ein einzelnes Kleidungsstück vor und führt ein Outfit-Tagebuch, um Wiederholungen zu vermeiden. In ihrem 2012 erschienenen Buch „Dressing the Queen: The Jubilee Wardrobe“ berichtet Kelly von der Arbeit an den Roben für das 60-jährige Thronjubiläum vor zwei Jahren. Mitunter verriet sie, dass die Queen nach 18 Uhr keine Hüte mehr tragen mag.

Das royalblaue Satindress des Labels Issa London, das Kate zur Bekanntgabe ihrer Verlobung trug, beispielsweise schmeichelte ihr so, dass der Entwurf der Modedesignerin Daniella Issa Helayel bald darauf ausverkauft war. Der Londoner Modedesignerin Orla Kiely sagt man sogar nach, dass sie einen Großteil ihres stetig wachsenden Modeimperiums Kate zu verdanken hat. Immer wieder hatte Kate die an der Mode der sechziger und siebziger Jahre orientierten Kleider getragen - allerdings in züchtiger Rocklänge. „Sie hat etwas sehr Weibliches und kleidet sich, wie es ihr gefällt. Sie ist keine, die jedem Modediktat folgt“, bescheinigte ihr einst Hilary Alexander, Modechefin beim Telegraph.

Anders als Lady Di, die sich viele Jahre lang hauptsächlich auf Entwürfe von Modeschöpferin Catherine Walker konzentrierte, ist Kate bisher kein Aushängeschild für einen Designer. Den Status als Stilikone erreichte sie unter anderem auch dadurch, dass sie kostspielige Designermode und erschwingliche Outfits abwechselt und viele Stücke, was für andere Königshausmitglieder bisweilen ungewöhnlich ist, sogar mehrmals kurz hintereinander trägt. Ein Pünktchenkleid des britischen H&M-Pendants Topshop etwa konnte man während ihrer Schwangerschaft häufiger an der Herzogin sehen - obwohl sich sogar Modezar Karl Lagerfeld angeboten hatte, königliche Umstandsmode zu entwerfen. Das dürfte nicht nur den ihr nacheifernden weiblichen Teil der britischen Bevölkerung freuen - sondern auch die auf den Staatshaushalt bedachten Beobachter des Königshauses.

Angela Kelly hingegen steht mit ihren Entwürfen für die andere Seite des modischen Empires: Sie entwirft Kostüme, wie sie nur eine Königin tragen kann - und die in ihrer Opulenz und Kostbarkeit eher an die biedere Zeit der Haute Couture erinnern. Queen Elizabeth II. hat eine mannigfaltige Auswahl an Kleidern und Roben in allen Regenbogenfarben (gelb für fröhliche Anlässe, schwarz und weiß für Staatstragendes), die allerdings bisweilen etwas trutschig-großmütterlich wirken - was für die 87-jährige Monarchin sicherlich auch angemessen ist.

Nun kann man sich Kate unschwer in schwerem Brokat und pfirsichfarbener Seide vorstellen. Ihre Anhänger hoffen daher bereits, dass es bei dezenten Einmischungen Kellys bleibt: Sie soll unter anderem Schmuck aus der persönlichen Sammlung der Queen für Kate aussuchen. Kate soll aber wenigstens weiterhin die Freiheit haben, Designer wie Alexander McQueen für ihre Garderobe zu konsultieren - solange die Röcke bis zu den Knien gehen.

Die Freundin

Bis vor Kurzem war es ein Geheimnis, wer die Herzogin von Cambridge in Stilfragen berät. Ein britisches Modemagazin berichtete dann, dass eine von Kates Jugendfreundinnen hinter zahlreichen Outfits steckt, die so bewundert werden: Die Innenarchitektin Emilia Jardine Paterson (auf dem Bild mit Ehemann David) ist nicht nur eine von Baby Georges Paten, die 31-Jährige soll der ansonsten eher zu schlichten Kleidern tendierenden Kate mehr Mut zu gewagteren Mustern gemacht haben. Möglich ist durchaus, dass sie ebenfalls zu dem imposanten roten Alexander-McQueen-Kostüm riet, das die Herzogin im November 2012 zum diamantenen Thronjubiläum der Queen trug.

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