Nächstenliebe in der Pandemie

Im Krankenhaus: Mann kleidet seinen obdachlosen Zimmernachbarn neu ein

Nahaufnahme eines Obdachlosen, der aus einer Tasse trinkt.
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In Köln erfuhr ein Obdachloser durch eine Kleiderspende zum ersten Mal seit langem wieder etwas Wärme (Symbolbild)

In einem Kölner Krankenhaus lernte der Patient Oliver Frommelt den Obdachlosen Jürgen kennen, der seit Wochen draußen in der Kälte geschlafen hatte. Weil dieser seine Kleidung verloren hatte, startete Frommelt einen Spendenaufruf via Facebook. Die Hilfsbereitschaft war überwältigend.

Köln - Aus den Augen, aus dem Sinn. Eine Binsenweisheit, die nicht nur für Menschen gilt, sondern auch für alle möglichen gesellschaftlichen Missstände. Ob Naturkatastrophen, Mord, Krankheit, Hunger oder Armut, das Leid der anderen ist bei denen, die es nicht betrifft, oft weit weg. Bis sie damit unausweichlich konfrontiert werden. So wie Oliver Frommelt aus Köln.

Köln: Obdachloser ohne Schuhe und wärmende Kleidung in Krankenhaus eingeliefert

Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet, war der 40-Jährige Ende Januar Patient im Krankenhaus Serverinsklösterchen und nicht wirklich erfreut über den Mann, der im nebenstehenden Krankenbett lag und das Zimmer mit ihm teilte. Er sei kaum gesprächig und ziemlich verschlossen gewesen. Zudem sollen die drei Sachen, die er bei sich hatte, ziemlich gestunken haben. Ein Obdachloser. Sein Name: Jürgen. Trotzdem kamen die beiden miteinander ins Gespräch. Wie sich herausstellte, sei Jürgen früher einmal Sozialarbeiter gewesen. Eine Reihe von Schicksalsschlägen (tz.de* berichtete) habe ihn schließlich auf die Straße verschlagen.

Jürgen erzählt Oliver, dass er in den Wochen in der Kälte geschlafen habe. Zu allem Überfluss war die Kleidung des Obdachlosen bei der Einlieferung ins Krankenhaus verloren gegangen. Nicht einmal ein Paar Schuhe besaß Jürgen noch. Gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger sagte Oliver Frommelt: „Das Schlimmste waren seine Füße: geschwollen, durch die Kälte deformiert und verletzt.“ Frommelt fasst den Entschluss, seinem Zimmergenossen zu helfen.

Kölner startet Spendenaktion vom Krankenbett für obdachlosen Zimmergenossen

In der 25.000 Personen zählenden Facebook-Gruppe „Meine Südstadt“ bittet Oliver die Menschen um Hilfe. „Wer hat Herrenklamotten abzugeben?“, fragt er in die Runde. Die Kleidungsstücke könnten unter Angabe des Codeworts „320“ an der Rezeption im Krankenhaus abgegeben werden. Dazu wurde der Pförtner eingeweiht, der die Aktion uneingeschränkt unterstützte.

Mit dem, was dann passierte, hatte Frommelt, jedoch nicht gerechnet. Jacken, Pullis, Decken und sogar Unterwäsche stapelten sich bald im Eingangsbereich der Klinik. Damit kleidete Frommelt Jürgen „neu“ ein, fotografierte ihn und postete das Foto in der Facebook-Gruppe.

Für das Bild mit einem lächelnden Jürgen hagelte es zahlreiche Likes und Herz-Emojis. Die User gaben sich sichtlich berührt von der Aktion, dem Ergebnis und von Jürgen, dessen Gesicht ein leichtes Lächeln erkennen lässt. Die Spendenden spüren, das sinnstiftendes Schenken* glücklich macht. Nicht nur den Beschenkten, sondern auch die Schenkenden selbst.

Eine Userin bot an sogar via Paypal Geld für Jürgen zu überweisen, damit sich der Obdachlose aus Köln auch mal etwas kaufen kann. Und natürlich gab es auch viele Komplimente für den Initiator der Aktion – Oliver Frommelt. Der wiegelt bescheiden ab; schreibt auf Facebook: „Vielen Dank. Aber es geht hier nicht um mich“.

Mit den Kleidungsspenden kommt Jürgen nun besser als zuvor durch die kalten Wintertage, doch für Frommelt stellt sich grundlegend die Frage, wie solch soziale Abstiege hierzulande verhindert werden können. „Die Bereitschaft der Menschen zu helfen, ist jedenfalls da.“ Zumindest in Köln. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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