Bremen

Kollegen müssen Kinderschänder nicht dulden

Bremen - Wenn sich eine Firmenbelegschaft wiederholt gegen die Weiterbeschäftigung eines als Kinderschänder verurteilten Kollegen wehrt, darf das Unternehmen ihn entlassen. Das hat am Mittwoch das Landesarbeitsgericht (LAG) Bremen entschieden.

Wie bereits berichtet, war der Hafenarbeiter wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter verurteilt worden. Daraufhin versuchte der Containerterminalbetreiber Eurogate dreimal, ihn zu entlassen. Zwei Kündigungen wurden von Arbeitsgerichten aufgehoben, die dritte wurde jetzt vom LAG akzeptiert. Denn nach der erfolglosen zweiten Kündigung hatten die Kollegen des Verurteilten wiederholt die Arbeit niedergelegt: Sie wollten nicht mit dem damals 37-Jährigen zusammenarbeiten, als der nach Verbüßung eines Teils seiner Haftstrafe 2013 als Freigänger im Offenen Vollzug an seinen Arbeitsplatz zurückkehren wollte. Dazu entschied jetzt das LAG, dass die „nachhaltige Weigerung erheblicher Teile der Belegschaft“, mit einem Kinderschänder zusammenzuarbeiten, eine sogenannte Druckkündigung rechtfertigen könne. Demnach können Entlassungen erlaubt sein, wenn ein Unternehmen so unter Druck gesetzt wird, dass ein unzumutbarer wirtschaftlicher Schaden droht.

Statt den Kinderschänder zu entlassen, hätte die Firma nach Ansicht seines Anwalts lieber die streikenden Kollegen maßregeln sollen. Doch nach Ansicht des LAG war das Unternehmen dazu nicht verpflichtet, denn selbst mit arbeitsrechtlichen Sanktionen hätte sich der erheblich gestörte Betriebsfrieden nicht wieder herstellen lassen, so das Urteil (Az.: 3 Sa 129/14).

Von Eckart Stengel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare