Islamunterricht

Kopftuchverbot bremst Interesse

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Foto: Gut zuhören: Ministerin Heiligenstadt im Religionsunterricht in einer Schule in Hannover.

Hannover - Seit Beginn dieses Jahres ist islamischer Religionsunterricht Regelfach an niedersächsischen Grundschulen. Doch längst nicht überall. Für den islamischen Religionsunterricht fehlen Lehrer – auch wegen der Rechtslage.

Derzeit wird islamische Religionskunde nur an 37 von 1800 niedersächsischen Grundschulen unterrichtet, wie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt am Montag mitteilte. Für eine flächendeckende Einführung dieses Faches fehlt es an Lehrerinnen und Lehrern. Nach Ansicht von Yilmaz Kilic von der Türkisch-Islamischen Union geht der Mangel auch auf das Verbot zurück, das es Lehrerinnen untersagt, ein Kopftuch außerhalb des Religionsunterrichtes zu tragen: „Wir haben viele junge Muslima, die an diesem Lehrfach interessiert sind. Aber mit dem Kopftuchverbot haben wir ein Problem.“

Kilic nahm mit der Muslima Anett Abdel-Rahman an einem Schulbesuch im hannoverschen Stadtteil Mühlenberg teil, bei dem sich Kultusministerin Heiligenstadt über die Praxis des Unterrichts informierte. Heiligenstadt war sichtlich beeindruckt, wie eifrig und diszipliniert sich die Drittklässler des Themas „Spende“ annehmen, das auch ein islamisches Thema ist. „Jede gute Tat ist eine Spende, auch ein Lächeln kann eine Spende sein“, erklärte Saja Alwa – eine von 25 Islam-Lehrerinnen im Land. Heiligenstadt betonte nach ihrem Schulstundenbesuch, dass das Land ein hohes Interesse habe, den in deutscher Sprache gegebenen Unterricht auszubauen. Er sei ein wichtiges Mittel zur Identitätsbildung und zur Integration und könne auch zur gegenseitigen Toleranz beitragen. „Die Schüler werden dialog- und auskunftsfähig. Wir bauen damit auch Benachteiligungen ab, da die Schüler schlechte Zensuren in anderen Fächern mit diesem Fach ausgleichen können.“ Bisher geben aber nur elf Schulen in Hannover, 13 in Braunschweig, zehn in Osnabrück und drei in Lüneburg islamischen Religionsunterricht, 14 weitere hätten Interesse signalisiert.

Zur Frage, wie die Landesregierung künftig mit dem Kopftuchverbot umgehen werde, hielt sich Ministerin Heiligenstadt bedeckt – und verwies auf die Rechtslage und das Neutralitätsgebot, nach dem die Schüler nicht in die eine oder andere Richtung beeinflusst werden dürften. Sie wisse, dass es darüber Diskussionen gebe, sagte die SPD-Politikerin. Sie plädiere für pragmatische Lösungen. „Das Kopftuchverbot ist ein Problem, in der Tat, aber wir haben darüber sehr offene Gespräche geführt – auch mit dem Ministerpräsidenten“, sagte Abdel-Rahman vom Beirat für den islamischen Relgionsunterricht. Sie setzt auf die Gespräche der Islamverbände, die derzeit wegen des geplanten Staatsvertrages geführt werden.Heiligenstadt wies darauf hin, dass man etwa auch beim katholischen Religionsunterricht mit dem Lehrermangel zu kämpfen habe, wenn auch nicht in vergleichbarem Ausmaß. 2014/15 soll Islamkunde auch ab den fünften Klassen eingeführt werden.

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