Religionsunterricht

Kopftuchverbot führt zu Lehrermangel

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Foto: Islamischer Religionsunterricht ist seit diesem Schuljahr Regelfach an niedersächsischen Schulen. Probleme macht hier das Kopftuchverbot.

Hannover - Das Kopftuchverbot an den Schulen Niedersachsens wird vermutlich bald neu diskutiert. Grund ist der islamische Religionsunterricht, der seit Beginn des Schuljahres ein Regelfach ist. Bisher gibt es aber nur wenige Lehrerinnen, die das Fach unterrichten dürfen – ein Lehrermangel ist deshalb absehbar.

Doch der Nachwuchs zögert. „Viele junge Musliminnen studieren das Fach nicht, weil sie unsicher sind, ob sie ihr Kopftuch an der Schule tragen dürfen“, sagt Rauf Ceylan, der am Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück mit der Ausbildung der Religionspädagogen betraut ist.

Bislang gilt folgende Regelung: Muslimische Lehrerinnen dürfen ihr Kopftuch nur während des Religionsunterrichts tragen, auf dem Schulhof oder bei der Unterrichtung anderer Fächer müssen sie es aber ablegen. Das schrecke viele muslimische Frauen von dem Einstieg in den Lehrbetrieb ab, sagt auch der Geschäftsführer des Beirats für den islamischen Religionsunterricht, Firouz Vladi.

Zurzeit gibt es 31 Lehrkräfte, die den islamischen Religionsunterricht in Modellversuchen an insgesamt 48 niedersächsischen Grundschulen unterrichten. Aber mit der flächendeckenden Einführung als Regelfach dürfte der Bedarf deutlich steigen. Universitätsprofessor Ceylan schätzt, dass in den nächsten Jahren 200 Lehrkräfte im Land benötigt werden, die den islamischen Religionsunterricht erteilen können. Doch an der Universität Osnabrück, dem einzigen Standort für die Ausbildung in Norddeutschland, bleibt derzeit rund ein Drittel der Studienplätze unbesetzt. Ceylan führt das zum großen Teil auf das Kopftuchverbot zurück. „Bei unserem Tag der Offenen Tür kamen sehr viele Interessierte, viele von ihnen waren Frauen und immer wieder wurde die Frage nach dem Kopftuch gestellt.“ Er appelliert deshalb an die Politik, die Regelung zu überdenken.

Weil empfängt Muslime

Zum Ende des Ramadanfestes hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erstmals Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen im Gästehaus der Landesregierung in Hannover empfangen. Der Landesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union in Niedersachsen (Ditib), Yilmaz Kilic, forderte dabei am Sonnabendabend unter anderem mehr Professorenstellen für das Islam-Zentrum in Osnabrück und mehr Teilhabe von Migrantenkindern am öffentlichen Leben.

Das Ramadanfest am Ende der muslimischen Fastenzeit gilt als Feier der Begegnung und des Miteinanders im Kreis von Familien und Freunden. In Niedersachsen und Bremen leben rund 250.000 Muslime, während des Fastenmonats Ramadan durften sie von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken, erst danach durfte gespeist werden. Mit 30 Tagen dauerte der Ramadan in diesem Jahr einen Tag länger als meistens üblich.

lni

Doch ob das die Regierung tut, scheint ungewiss. Die Landesregierung befinde sich derzeit in „konstruktiven Gesprächen“ mit den muslimischen Verbänden, sagt die Sprecherin des Kultusministeriums, Susanne Schrammar. Es bliebe abzuwarten, welchen Verlauf die Gespräche nehmen. Im September würden dem Kultusministerium genaue Zahlen vorliegen, wie viele Anmeldungen es für den islamischen Religionsunterricht an den Schulen tatsächlich gegeben habe. Dann habe man auch einen besseren Überblick über den Bedarf an neuen Lehrkräften.

Mindestens zwölf Schüler müssen sich in einer Lerngruppe zusammenfinden, damit der Unterricht an einer Schule angeboten wird. „Als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder hätte ich kein Problem mit einer Kopftuch tragenden Lehrerin“, meinte kürzlich die Integrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf zu dem Thema. Die schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Ina Korter sagt: „Ich vermute, die muslimischen Verbände erhoffen sich von der neuen Landesregierung auch neue Vorzeichen bei ihrem Anliegen.“ Sie sei durchaus bereit, das Kopftuchverbot in ihrer Fraktion erneut zu diskutieren.

Anne Grünberg

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