Preisdiktat

Krabbenfischer vereinigen sich gegen Großhändler

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Foto: Die Krabbenfischer in Deutschland haben sich zusammengeschlossen, um gegen ein Preisdiktat der Großhändler vorzugehen.

Wardenburg - Mit vereinten Kräften wollen Krabbenfischer aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein künftig der Marktmacht der Großhändler widerstehen. Erstmals ist eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft in Gründung.

Die deutschen Krabbenfischer schließen sich erstmals in einer zentralen Vermarktungsgesellschaft zusammen, um ihre wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Mehr als 120 Fischer aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein trafen sich am Donnerstag in Wardenburg bei Oldenburg zur Gründung einer gemeinsamen Erzeugerorganisation. Wie viele der Betriebe sich beteiligen, steht erst nach Pfingsten fest. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) und Fischereivertreter zeigten sich optimistisch, dass sich mehr als 60 Prozent aller Betriebe beteiligen werden.

„Wir müssen einen Gegenpol schaffen zum Preisdiktat der Großhändler und eine gemeinsame Vermarktung hinbekommen“, begründete Lindemann den historischen Schulterschluss der norddeutschen Krabbenfischer. Der starken Macht der preisbestimmenden Aufkäufer stünden künftig die Verkäufer auf Augenhöhe gegenüber. Der Minister hofft, dass sich der Staat an den Gründungskosten für die Vermarktungsgesellschaft beteiligt - ob dies Gelder von Bund, Land oder EU sein könnten, ließ er offen.

Die neue Erzeugergemeinschaft der deutschen Krabbenfischer soll ihren Sitz in Cuxhaven haben, sagte Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Nord- und Ostseefischer. Die 224 deutschen Betriebe hatten 2011 gut 13.000 Tonnen Krabben gefangen, das entspricht 40 Prozent der europäischen Fangmenge. Wenn über die neue Gesellschaft 8500 Tonnen Krabben vermarktet werden könnten, seien die Perspektiven gut.

Bislang wird der Markt von zwei großen niederländischen und einem ostfriesischen Großhändler beherrscht. Im Wettbewerb herrsche eine sehr raue Art des Umgangs miteinander, sagte Lindemann. Er warnte vor möglichen Absprachen in der Branche zum Nachteil der neuen Organisation: „Das wäre ein bemerkenswerter Vorgang und nicht ohne kartellrechtliche Relevanz. Wenn sich die Hinweise bestätigen, würde dies erst recht die Neugründung rechtfertigen.“

Mit höheren und stabilen Erzeugerpreisen könnten sich die Perspektiven der Fischer deutlich verbessern, sagte Dirk Sander vom Landesfischereiverband Weser-Ems. So seien die deutschen Kutter mit durchschnittlich 30 Jahren stark überaltert. Wenn für die Fischer wirtschaftlich wieder Land in Sicht käme, wären auch wieder Bankenkredite für Schiffsneubauten denkbar.

Lindemann sprach sich für eine Neubauförderung der EU für Länder mit angepassten Flotten aus. Deutschland habe etwa seine Flottenkapazität stark verringert. Eine Abwrackprämie wie in den Vorjahren sei bei einem stark wachsenden Markt nicht sinnvoll.

dpa/sag

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