Zwischenstation vor Winterquartier

Kraniche lieben den Mais in Niedersachsen

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Der Einflug der Kraniche ist nicht nur im Teufelsmoor bei Worpswede ein beliebtes Naturschauspiel.

Worpswede - Vor wenigen Jahren stand der Kranich noch auf der Roten Liste. Heute leben in Niedersachsen Hunderte von Brutpaaren. Und zahllose Vögel machen auf dem Weg ins Winterquartier im Nordwesten Station - Tendenz steigend.

Die Wasserflächen schimmern golden im Abendlicht, Nebel wabert. Ein Trupp Kraniche rauscht mit lauten Trompetenrufen über die Köpfe der Vogelgucker hinweg. Der Einflug der Kraniche ist nicht nur im Teufelsmoor bei Worpswede ein beliebtes Naturschauspiel. Der Langbeiner macht auf seiner Reise von Skandinavien ins spanische oder französische Winterquartier zunehmend Station in Niedersachsen. Neben wieder vernässten Moorflächen kommt den Vögeln der verbreitete Maisanbau zugute.

Denn: „Kraniche sind Allesfresser“, sagt Jürgen Hicke vom Naturschutzbund Nabu in Rotenburg. „Mais ist um diese Jahreszeit besonders leicht zu kriegen. Denn fünf bis acht Prozent der Maisernte bleiben liegen.“ In den vergangenen zehn Jahren seien die Kranichzahlen explodiert - so wie der Maisanbau. „Rastkraniche stehen überwiegend auf Maisfeldern. Und ein bisschen auf Kartoffeln“, erklärt Tasso Schikore von der Biologischen Station Osterholz.

Wann rasten die Tiere in Niedersachsen? Vor allem von Mitte bis Ende Oktober, sagt Schikore. Knut Sandkühler vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erzählt, im Herbst 2013 seien rund 110.000 Tiere gezählt worden - der „höchste bisher dokumentierte Bestand rastender Kraniche in Niedersachsen“.

Die Diepholzer Moorniederung und das Teufelsmoor gelten als die größten Rastregionen im Land. Allein in der Diepholzer Niederung tummelten sich im Vorjahr laut Friedhelm Niemeyer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rund 74.000 Kraniche. Die Tiere bleiben zwischen einer Woche und 50 Tagen. Einige Hundert von ihnen überwintern sogar in Niedersachsen.

Kraniche stehen nicht mehr auf Roter Liste

Und der Zugkorridor der Kraniche hat sich in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert. „Deutschland wurde früher im wesentlichen überflogen“, sagt Schikore. Mittlerweile breiteten sich die Rastgebiete immer weiter nach Westen aus. Es wurden bereits Tiere in Ostfriesland und den Niederlanden gesichtet - eine Entwicklung, deren Ende noch nicht absehbar sei. Die Moore bieten den Kranichen nachts Schutz vor Räubern wie Fuchs und Marderhund. Warum? „Sie stehen knietief im Flachwasser“, erklärt Nabu-Mann Hicke.

Positiv entwickelt haben sich auch die Brutbestände, der Kranich steht nicht mehr auf der Roten Liste. „Kraniche brauchen zum Brüten feuchte Moore, feuchte Waldgebiete“, sagt Hicke. In den 70er Jahren lag der Bestand nach NLWKN-Angaben bei rund zehn Paaren. Vernässung der Moore, neue Feuchtgebiete und der Schutz der Brutplätze sorgten für eine Trendwende. Derzeit gebe es in Niedersachsen 750 bis 800 Revierpaare.

„Ein Kranichpärchen bleibt ein Leben lang zusammen. Anders als bei Störchen ist die Flugroute nicht „angeboren“. Kraniche müssen diese erst von ihren Eltern lernen“, sagt Ulrich Thüre vom Nabu Niedersachsen. Der am rostroten Kopf erkennbare Nachwuchs bleibt bis zu elf Monaten lang bei den Eltern. Auf dem Zug tun sich mehrere Familien zu keilförmigen Flugformationen zusammen. Eine Attraktion für viele Menschen:Die Leute pilgern dahin. Für sie ist es ein prägendes Erlebnis, wie diese grauen Geschwader über sie rüberfliegen“, schwärmt Schikore.

dpa

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