Missbrauchsprozess in Hildesheim

Krankenpfleger bekommt neuneinhalb Jahre

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Im Hildesheimer Klinikum hat ein Krankenpfleger junge Patientinnen sexuell missbraucht. Er ist jetzt verurteilt worden.

Hildesheim - Der Kinderpfleger aus Hildesheim, der sich an jungen Patientinnen verging, muss neuneinhalb Jahre in Haft und kommt in die Psychiatrie. Außerdem darf er nach dem Gerichtsurteil nie mehr in seinem Beruf arbeiten. Wird es den traumatisierten Opfer je gelingen, das Geschehene zu verarbeiten?

Der Kinderkrankenpfleger Marc R. muss auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie. Das Landgericht Hildesheim hat den 36-Jährigen am Montag wegen Vergewaltigung, Missbruch und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht attestierte ihm eine „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit“. Deshalb muss R. aus der Untersuchungshaft in ein psychiatrisches Krankenhaus in den Maßregelvollzug verlegt werden. Außerdem verhängte das Gericht ein lebenslanges Berufsverbot: Er darf nie wieder als Krankenpfleger mit Menschen unter 25 Jahren arbeiten.

Auf der Kinderstation des Klinikums Hildesheim hatte R. Kinder und Jugendliche betäubt und sich an ihnen vergangen - jahrelang. Zwischen Juli 2009 und Januar 2013 brachte er Film- und Fotokameras in die Klinik. Mit einem verschreibungspflichtigen Narkotikum setzte er die Kinder außer Gefecht, entblößte ihre Körper, machte Bilder und verging er sich an fast allen Kindern. In mehreren Fällen kam es zum Geschlechtsverkehr. Fast immer waren es Mädchen, einmal geriet auch ein Junge in den Fokus des Kinderschänders. Bis heute ist es der Justiz nicht gelungen, alle Kinder ausfindig zu machen. Einige leiden bis jetzt unter schweren psychischen Belastungen.

Angeklagter blieb regungslos

Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einige Mädchen traten als Zeugen auf - sie sollten geschützt werden. Bei der öffentlichen Urteilsverkündung zeigte sich der Angeklagte völlig regungslos. Ohne eine Miene zu verziehen hörte er sein Urteil. Der Vorsitzende Richter Volker Heckemüller sprach von einem „erschütternden Ausmaß“ der Taten und bescheinigte dem Angeklagten eine „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit“. Eine vollständige Aufhebung der Steuerungsfähigkeit aber liege nicht vor. Dass sich R. „erfreulich auskunftsfreudig“ gezeigt und ein „rückhaltloses Geständnis“ abgelegt hat, wertete das Gericht zu seinen Gunsten. Auf der anderen Seite habe der Pfleger in dem besonders geschützten Rahmen eines Krankenhauses seine besondere Vertrauensstellung missbraucht und eklatante Pflichtverstöße begangen.

Schamlos ausgenutzt habe er auch das Vertrauen der acht jungen Frauen, die er im Umfeld einer Celler Disko ansprach und sie dazu brachte, sich für einen vermeintlichen medizinischen Lehrfilm Blut abnehmen lassen. Das geschah mal in der Wohnung des Angeklagten in Hannover, mal im Wohnwagen seines Vaters. Tatsächlich spritzte R. auch ihnen ein Betäubungsmittel. Dabei wählte er gezielt ein Präparat, das den Frauen die Erinnerung an die dann folgenden sexuellen Übergriffe nahm. So war die Polizei erst durch die Filme auf den bis dahin nicht vorbestraften Mann aufmerksam geworden.

Eine der Frauen hatte nach der Blutabnahme Zweifel bekommen, war zur Polizei gegangen, die eine Hausdurchsuchung in R.s Wohnung angeordnet hatte. Richter Heckemüller sah in den Taten des Krankenpflegers „beträchtliche kriminelle Energie“, zudem bestehe „beträchtliche Rückfallgefahr“, sollte sich R. nicht in Behandlung begeben. Der Angeklagte habe sich zwar therapiewillig gezeigt, doch bislang ließe sein Mitgefühl noch sehr zu wünschen übrig. R. hat das Urteil akzeptiert.

Marita Zimmerhof

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