Mutmach-Video als Internethit

Krankenschwestern tanzen für Krebspatienten

+
Eigentlich sollte das Video vom „Fliegertanz“ unter ihnen bleiben, doch es landete im Netz und machte Krankenpflegerin Ina Meiners und Patient Aaron unfreiwillig bekannt.

Oldenburg - Es war nicht einmal zur Veröffentlichung gedacht: Zwei Krankenschwestern aus dem Klinikum Oldenburg tanzen für einen krebskranken Jungen – und werden damit unfreiwillig zum Internet-Hit.

Auf der Internetvideoplattform Youtube wimmelt es vor Selbstdarstellern. Mit Anleitungen fürs T-Shirt-Falten und Haustiertricks buhlen Millionen Amateurfilmer um Aufmerksamkeit. Doch manchmal gelangt auch ein Video auf die Plattform, das gar nicht zur Veröffentlichung gedacht war und plötzlich zum Hit wird. Das ist jetzt dem Klinikum Oldenburg passiert; genauer gesagt, zwei Krankenschwestern. Ihr spontan gefilmtes Tänzchen vor einem jungen Krebspatienten wurde tausendfach angeklickt, im sozialen Netzwerk Facebook wollten sogar fast eine Million Nutzer das Video sehen. Der Mitschnitt ist mittlerweile nicht mehr öffentlich sichtbar, doch das Klinikum will ihn nun auf seine eigene Internetseite stellen.

Angefangen hatte alles vor knapp einem Jahr. Der leukämiekranke Aaron war gerade auf die Intensivstation verlegt worden und langweilte sich. Einen Bettnachbarn hatte er nicht, und sein Vater holte sich gerade einen Kaffee. Da kamen die Kinderkrankenpflegerin Ina Meiners und ihre Kollegin auf eine Idee. Denn Aaron liebte das Fliegerlied „So ein schöner Tag“ vom Schlagersänger Tim Toupet. Mit Mundschutz und Gummihandschuhen bauten sie sich vor Aarons Bett auf, schalteten das Lied ein und sangen mit. Dazu machten sie passende Bewegungen, während Aaron in seinem Bett mit einer Taschenlampe herumfuchtelte und vor Vergnügen juchzte. Damit der Junge auch später noch Freude daran haben konnte, nahmen die Schwestern alles auf Video auf und schickten den Mitschnitt Aarons Vater.

Video landet im Netz

Ein paar Monate später bekam Aarons Vater eine Anfrage von einer Fotografin, die sich gegen Leukämie einsetzt. Sie wolle das Video gern in eine Präsentation einbinden, bei der in Belgien um Spenden für das Projekt „Flugkraft“ geworben werden solle. Aarons Vater schickte ihr den Mitschnitt - von Youtube soll nie die Rede gewesen sein. Ende 2014 tauchte das Video plötzlich bei Facebook auf. Die Fotografin hatte es auf ihre Seite gestellt. Kurz darauf war es auch bei Youtube verfügbar. „Das war ein Schock, als wir das herausfanden“, sagt Krankenpflegerin Meiners.

Nachdem über die tanzenden Schwestern und den Ärger um die Veröffentlichung berichtet wurde, löschte die Fotografin das Video aus den sozialen Netzwerken. Das wiederum findet das Klinikum schade und will es nun, da es schon öffentlich war, auf seiner eigenen Internetseite zeigen. Bei Facebook hatten Hunderte positive Kommentare unter dem Video hinterlassen.

„Natürlich ist es schön, wenn wir für unsere Arbeit so viel Lob bekommen“, sagt Meiners, doch mehr Videos soll es nicht geben. „Wir müssen schließlich den Patienten- und Datenschutz wahren.“ Das Tanzen für kleine Patienten indes wollen Meiners und ihre Kolleginnen nicht sein lassen. „Mit den Kindern singen oder sie auf andere Art aufheitern gehört zu unserer Arbeit dazu.“ Vermutlich hat es auch dazu beigetragen, dass Aaron jetzt nur noch zu Kontrolluntersuchungen in die Klinik kommen muss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare