Wesermarsch

Kreative Ideen sollen Innenstädte beleben

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In Brake haben 15 der 50 Geschäfte in der Fußgängerzone dichtgemacht.

Brake - Geschäfte machen dicht, Fußgängerzonen verwaisen: Einkaufszentren und Online-Shops lassen die Innenstädte in kleineren Orten veröden. In Brake macht die Not erfinderisch.

Tote Schaufenster, geschlossene Geschäfte, eine Fußgängerzone wie leer gefegt - beim Bummel durch die Braker Innenstadt macht sich Trostlosigkeit breit. Fast jeder dritte Laden steht leer, neue Mieter sind kaum in Sicht. „So langsam wird es wirklich kritisch“, sagt Vivian Rüßbült vom für Stadtmarketing zuständigen „BrakeVerein“. Kunst und Miet-Rabatte sollen jetzt Abhilfe schaffen. Auch andere Orte in Niedersachsen wollen mit kreativen Ideen der Krise trotzen.

Die Aussichten für Brake sind düster: 15 der 50 Geschäfte in der Fußgängerzone haben dicht gemacht. In wenigen Tagen schließt auch noch der letzte verbliebene Supermarkt. Diesen Leerstand-Teufelskreis wollen Rüßbült und ihre Kollegen durchbrechen. Seit Frühjahr erfassen sie in einer Online-Datenbank die zum Verkauf stehenden Geschäfte in der 16.000-Einwohner-Stadt im Kreis Wesermarsch.

„Das funktioniert mittlerweile ganz gut“, sagt Rüßbült. Ein Laden ist bereits verkauft und wird ab September als Büro genutzt. Außerdem laufen Verhandlungen mit mehreren Interessenten. In der Zwischenzeit sollen Künstler ihre Bilder in den ausgeräumten Schaufenstern ausstellen. Vergünstigte Mieten sollen zudem Existenzgründer anlocken: Sie zahlen im ersten Jahr monatlich nur einen Euro pro Quadratmeter.

So wie Brake geht es vielen kleineren Orten in Niedersachsen. „Sie leiden darunter, dass Einkaufszentren an ihrem Rand entstehen“, sagt Hans-Joachim Rambow vom Einzelhandelsverband. Auch die Konkurrenz im Internet und der demografische Wandel machen den alteingesessen Läden zu schaffen.

Zahlen zur Gesamtlage in Niedersachsen liegen nicht vor. Doch der Trend ist eindeutig. Seit der Jahrtausendwende bluten die Klein- und Mittelzentren langsam aus. „Der Zeitpunkt, um das Rad zu wenden, ist überschritten“, sagt Rambow. Die Städte müssen also lernen mit dem Geschäfte-Sterben umzugehen. „Das Problem ist fast überall das gleiche, eine Universallösung gibt es aber nicht“, meint der Experte.

Partynächte, Public Viewing und andere Aktionen sollen zum Beispiel in Seesen mehr Menschen ins Zentrum bringen. Dort stehen bis auf die Schlecker-Filiale zurzeit keine Geschäfte leer. Doch in den Nebenstraßen mussten bereits mehrere Händler aufgeben. „Wir konzentrieren uns auf die 1A-Lagen“, sagt Stadtmarketing-Vorstand Thorsten Scheerer. Deshalb will die Gemeinde im Harzvorland die Konkurrenz am Stadtrand begrenzen. Neben den beiden bestehenden Einkaufszentren wird es keine neuen Flächen geben.

Auch Delmenhorst will attraktiver für den Einkaufsbummel werden. Dafür lässt die Stadt den Marktplatz erneuern, mehr Bänke und Spielgeräte aufstellen. Außerdem wird zurzeit die denkmalgeschützte Markthalle saniert. Ab kommenden Jahr soll sie Raum für kulturelle Veranstaltungen bieten.

Ein Problem wird die Stadt bei Bremen damit aber nicht lösen können: das seit Jahren leerstehende Hertie-Kaufhaus in der Fußgängerzone. „Durch den Wegfall haben wir in dem Bereich weniger Laufkundschaft und damit mehr Leerstände“, sagt Stadtsprecher Timo Frers. Ein neuer Investor soll der toten Ladenzeile neues Leben einhauchen. Doch die Suche gestaltet sich als schwierig.

dpa

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