Verharmlosung befürchtet

Kriminalpolizei gegen großzügigeren Umgang mit Cannabis

+
Foto: Nach Eindruck des Polizeiexperten Carstensen herrscht in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild vom Kiffen.

Hannover - Rot-Grün könnte andere Weichen in der Drogenpolitik stellen. Die Vorstellungen der neuen niedersächsischen Landesregierung zur strafrechtlichen Verfolgung von Kiffern ist Thema im Parlament. Der Berufsverband der Kriminalpolizei fürchtet eine Verharmlosung von Cannabis.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat die Politik vor einem liberaleren Umgang mit „weichen“ Drogen gewarnt. „Die Erhöhung der Eigenbedarfsgrenze für Cannabis wäre ein falsches Signal“, sagte der stellvertretende BDK-Vorsitzende Bernd Carstensen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Cannabis sei eine Einstiegsdroge und dürfe nicht verharmlost werden. Zurzeit ziehen fast alle Bundesländer wie Niedersachsen die Grenze für den Eigenbedarf bei sechs Gramm. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) hatte jedoch eine Erhöhung nicht ausgeschlossen.

Cannabis ist eine illegale Droge. Beim Besitz kleiner Mengen verzichten Polizei und Justiz meist jedoch auf eine Strafverfolgung. An diesem Donnerstag erläutert Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) die Position der Landesregierung zu Cannabis und Marihuana im Landtag in Hannover. Die CDU-Fraktion fordert die rot-grünen Koalition in einem Antrag dazu auf, sich für eine bundeseinheitliche Eigenverbrauchsgrenze von sechs Gramm einzusetzen. Der Cannabiskonsum müsse weiter bekämpft werden.

Nach Eindruck des Polizeiexperten Carstensen herrscht in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild vom Kiffen. „Wir haben Erkenntnisse aus einer Vielzahl von Ermittlungsverfahren, dass Cannabisgebrauch nicht einfach nur eine beruhigende Wirkung hat“, betonte der Vize-Verbandschef. „Das Schmerzlindernde von Cannabis ist auch hemmschwellenlösend. Es wird zu wenig darüber berichtet, dass wir im Umfeld von Cannabisgenuss Aggression und Gewalttätigkeit haben, oft natürlich auch im Zusammenhang mit Alkohol.“

Cannabis ist nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten die am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Rund zwei Millionen vor allem junger Menschen kiffen in Deutschland regelmäßig, etwa 600 000 missbrauchen Cannabis beziehungsweise sind davon abhängig.

Um die großen Dealer vor Gericht zu bringen, müssten auch die kleinen Konsumenten ermittelt werden, betonte Carstensen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter halte eine bundesweit einheitliche Eigenbedarfsgrenze von sechs Gramm für sinnvoll. „Das hat sich in der Praxis bewährt.“ In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Grenze vor einiger Zeit auf zehn Gramm erhöht werden. In Berlin kann sogar in Einzelfällen beim Besitz bis zu 15 Gramm Cannabis von der Strafverfolgung abgesehen werden.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare