Zehn Jahre Sperrwerk

Küstenschutz an der Ems

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Foto: Luftaufnahme aus dem Jahr 2000: Das Emssperrwerk soll für die Überführung der Kreuzfahrtschiffe die Ems aufstauen, aber auch dem Küstenschutz dienen.

Leer - Das Emssperrwerk in Gandersum bei Leer soll für die Überführung der Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft die Ems aufstauen, aber auch dem Küstenschutz dienen. Vor zehn Jahren wurde das umstrittene Bauwerk in Betrieb genommen.

Es ist eines der modernsten Küstenschutzbauwerke in Europa, aber auch eines der umstrittensten: Das Emssperrwerk zwischen den Dörfern Gandersum und Nendorp im Kreis Leer ist vor zehn Jahren in Betrieb genommen worden. Das fast einen halben Kilometer lange Bauwerk soll sowohl dem Hochwasserschutz als auch den wirtschaftlichen Interessen der Region dienen. Denn nur dank des Sperrwerks lässt sich die Ems so hoch aufstauen, dass die in Papenburg gebauten Schiffe der Meyer Werft genügend Wasser unterm Kiel zur Überführung haben.Planung, Bau und Betrieb waren jahrelang umstritten - ein vom Verwaltungsgericht Oldenburg verhängter Baustopp verzögerte die Arbeiten um elf Monate. Umweltschützer hatten geklagt. Die juristischen Auseinandersetzungen endeten erst 2006 mit einem Vergleich vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Auch Bedenken der EU-Kommission musste die Landesregierung in Hannover zerstreuen. Die Brüsseler argwöhnten, dass das 223 Millionen Euro teuere Bauwerk eine unzulässige staatliche Beihilfe für die Meyer Werft sein könnte.

Dieser Konflikt wurde damit beigelegt, dass die Werft für die Überführung von großen Schiffen mit mehr als 7,30 Metern Tiefgang Gebühren zahlen muss: Für einen 12-Stunden-Stau zahlt die Werft rund 100.000 Euro, für einen 24-Stunden-Stau sind rund 130.000 Euro Gebühren ans Land fällig, sagt die Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Herma Heyken.

Die „Celebrity Reflection“, die in rund zwei Wochen über die Ems in die Nordsee fahren soll, sei das 25. Schiff, das durch das Emssperrwerk überführt werde.

„Es wäre Quatsch zu sagen, das Sperrwerk hätte nichts mit uns zu tun“, räumt Werftsprecher Peter Hackmann ein. Die Werft braucht das Sperrwerk für die Überführungen. Allein die drei Schiffe, die die Werft in diesem Jahr überführt hat beziehungsweise ausliefern wird, hätten einen Wert von rund 1,5 Milliarden Euro. „Das ist nicht ganz schlecht für die Region und die Wirtschaftskraft hier im Nordwesten.“ Allerdings sei die Meyer Werft nur der Auslöser, nicht die Ursache für das Sperrwerk gewesen. Letztlich diene es auch dem Schutz vor Hochwasser, sagt Hackmann.

Das betont auch NLWKN-Sprecherin Heyken. Bislang wurde es zwischen Dezember 2005 und März 2008 siebenmal wegen einer Sturmflut geschlossen.

„Sieben Hochwassereinsätze – für zehn Jahre ist das nicht so ganz viel“, sagt Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative „Rettet die Ems“. Er und seine Mitstreiter gehören zu den schärfsten Kritikern der Meyer Werft und des Sperrwerks. Versprochen worden sei seitens des Landes damals, dass die Schlickbelastung der Ems dank des Sperrwerks verringert werde. „Das ist definitiv nicht eingetreten, die Bagger-Aktivitäten sind inzwischen deutlich verstärkt worden.“

Auch Vera Konermann vom Umweltverband Bund Niedersachsen zieht eine eher negative Bilanz. „Für die ökologische Situation hat das Sperrwerk keine Vorteile gehabt“, sagt sie. Die Verschlickung nehme zu, die Sauerstoffprobleme würden jeden Sommer größer. Sie räumt allerdings ein, dass das nicht am Emssperrwerk liege. Bleibt der Hochwasserschutz. Aber auch da ziehen die Umweltschützer eine eher nüchterne Bilanz: „Das hätte man auch preiswerter und einfacher als mit diesem Bauwerk haben können.“

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