Geraubte Leiche

Kult um Mexikos Drogenbosse

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Am Sonntag war Heriberto Lazcano von mexikanischen Soldaten erschossen worden, doch wenig später raubte ein bewaffnetes Kommando seine Leiche aus dem Bestattungshaus.

Mexiko-Stadt - Der gefürchtete mexikanische Drogenboss Heriberto Lazcano ist tot. Doch dann wird seine Leiche aus dem Bestattungsinstitut geraubt. „El Lazca“ droht zum Mythos zu werden. So wie andere mexikanische Schwerkriminelle vor ihm.

Es war ein großer Schlag gegen die Drogenkartelle. Die Nachricht vom Tod von Heriberto Lazcano, dem Boss des gefürchteten Kartells „Los Zetas“, wurde in Mexiko gefeiert. Am Sonntag war „El Lazca“ von Soldaten erschossen worden, doch wenige Tage später raubt ein bewaffnetes Kommando dessen Leiche aus einem Bestattungshaus. Was bleibt sind Fotos und Fingerabdrücke der Leiche, die den Tod des Schwerkriminellen belegen.

Nun droht Lazcano zum Mythos zu werden. So wie Amado Carrillo Fuentes, Chef des Juarez-Kartells. In den 1990er Jahren war er einer der weltweit meistgesuchten Drogenbosse. Als „Señor de los Cielos“ (Herr der Himmel) ging er in die Geschichte ein. Die Drogen hatte er nämlich mit seiner Flotte von Flugzeugen schmuggeln lassen. Gesucht wurde er nicht nur in Mexiko, auch die US-Drogenbehörde DEA war hinter ihm her.

Auf der Flucht vor seinen Verfolgern begab sich Carrillo Fuentes auf den OP-Tisch - er brauchte ein neues Gesicht. Im Juli 1997 legte er sich in Mexiko-Stadt unters Messer. Nach der OP gaben ihm die Ärzte Schmerzmittel. Der „Señor de los Cielos“ hatte eine allergische Reaktion und starb. Seine Ärzte wurden wenig später ermordet an der Autobahn von Mexiko-Stadt nach Acapulco gefunden. Ihre Leichen waren in Betonfässern versteckt.

Einige sagen, der Tod des „Señor“ sei ein Unfall gewesen. Andere behaupten, seine Gegner hätten ihn getötet. Weil sein Gesicht nach der Operation entstellt war, kursierten Zweifel über die Identität der Leiche. Die Legende über einen vorgetäuschten Tod war geboren.

Um den Gründer des Drogenkartells „La Familia“ (Die Familie) - ein besonders grausames Verbrechersyndikat - ist eine Art Heiligenkult entstanden. Nazario Moreno González, der auch die Beinamen „El Más Loco“ (Der Verrückteste) trug, soll 2010 nach einer Party von Sicherheitskräften erschossen worden sein. Seine Anhänger waren nach der Schießerei aber samt der Leiche verschwunden.

Erstmals war das Kartell „La Familia“ Jahre zuvor auf den Plan getreten, als Unbekannte fünf abgetrennte Menschenköpfe auf die Tanzfläche einer Bar warfen. Gründer González wird inzwischen als „San Nazario“ (Heiliger Nazario) verehrt.

Der am vergangenen Sonntag erschossene Heriberto Lazcano hatte sich bereits ein Mausoleum in seinem Heimatstaat bauen lassen. Ob er je dort beigesetzt wird, ist ungewiss. Noch ist Lazcanos Leiche verschollen.

dpa

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