Verkehrssicherheit

Kunst am Kreisel kann Fahrer stören

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Die Kreiselkunst kommt oft von Künstlern aus der Region. Vereinzelt gab es auch in in Baden-Württemberg Proteste gegen den Abbau.

Hannover - Kunstobjekte an Kreiseln sind umstitten. Nicht nur weil sie Geschmackssache sind, sondern weil sie offenbar auch Autofahrer irritieren. Baden-Württemberg hat an Unfallschwerpunkten die modernen Skulpturen schon wieder abbauen lassen. Wie reagiert Niedersachsen?

Oft sind sie aus Stahl und bunt. Manchmal sind sie ineinander verschlungen wie komplizierte geometrische Figuren, manchmal erinnern sie an Fahnen, Windhosen oder Leuchttürme. Die modernen Kunstobjekte auf Kreiseln können nach Ansicht von Verkehrsexperten gefährlich werden. Nach mehreren schweren, auch tödlich Unfällen, bei denen Autofahrer Installationen gerammt hatten, hat zumindest das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg jetzt beschlossen, dass alle Verkehrsinseln überprüft werden müssen. Bei einem Fünftel, in mehr als 100 Fällen, sah die Behörde dringenden Handlungsbedarf, gut 30 Objekte wurden wieder abgebaut.

In Niedersachsen kann man die süddeutsche Aufregung über die vermeintlich gefährliche Kreiselkunst nicht verstehen. Im Verkehrs- und Innenministerium heißt es, das Ganze sei hier kein Thema. Beschwerden über störende Kreiselkunst seien nicht bekannt. Auch die Kommunen, in denen die oft meterhohen Skulpturen stehen, wollen ihre Objekte behalten. Denn sie seien nicht nur schön, sondern trügen sogar noch zur Verkehrssicherheit bei. „Bepflanzung bremst“, heißt es im Bückeburger Ordnungsamt. Da sei es eigentlich egal, ob ein großer Baum oder eine in sich gedrehte Stahlfahne inmitten des Kreisels stehe. Hauptsache, die Sicht werde versperrt. Die Autofahrer könnten dann nur langsam an den Kreisel heranfahren.

Diskussionen in der Bevölkerung um die Kreiselgestaltung gebe es immer wieder, hört man von den Kommunen. Umstritten seien aber nicht nur die modernen Kunstobjekte, sondern auch die falschen Pflanzen: „Wenn eine Linde da steht, wo früher Kirschen geerntet wurden, ist der Ärger groß.“ Oft gehe aber auch die Zeit über den Streit hinweg. „Man gewöhnt sich an alles“, sagt ein Ordnungsamtsmitarbeiter, „auch an seltsame Skulpturen.“

Verkehrsberuhigung sei kein Grund gewesen, warum man in Celle am Bahnhofsvorplatz 2008 ein Kunstwerk von Hartmut Sietlow aufgestellt habe, sagt Stadtsprecherin Myriam Meissner. Es gehe eher um Stadtverschönerung. „Kreisel sind verkehrliche Restflächen, da kann man auch Kunst daraufstellen.“ Groß stören tut die Figur, die an eine auf den Kopf stehende Axt erinnert, jedenfalls nicht. Vielleicht auch deshalb, weil sie abseits der Innenstadt liegt.

Auch von den hohen Stelen, die das Wappen und Logo der Stadt Rinteln zieren, gehe keine Gefahr aus, versichert ein Sprecher. „Sie sind komplett verrostet, Spiegelungen oder Reflexionen, die Autofahrer blenden könnten, sind ausgeschlossen.“ Der Kreisel liege zudem in der Nähe eines Gewerbegebiets, viel Verkehr gebe es da ohnehin nicht. Das Werk stamme von einer heimischen Künstlerin und drücke die Verbundenheit mit Rinteln aus.

Die Kreiselkunst kommt oft von Künstlern aus der Region. Vereinzelt gab es auch in in Baden-Württemberg Proteste gegen den Abbau. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) jedenfalls beeilte sich klarzustellen: „Wir sind keine Kunstbanausen, wir sind keine Störköpfe.“ Nur Kreisel außerhalb geschlossener Ortschaften sollen jetzt überprüft werden.

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