DEFA-Filmregisseur

Kurt Maetzig mit 101 Jahren gestorben

+
Foto: Kurt Maetzig ist am Alter von 101 Jahren gestorben.

Berlin - Er drehte Propagandafilme für die DDR, aber auch bis heute bewegende Filmdramen. Regisseur Kurt Maetzig, Mitbegründer der DDR-Filmfirma DEFA, starb am Mittwoch mit 101 Jahren.

Einzig das Gehen fiel ihm schwer, als die DEFA-Stiftung Kurt Maetzig im November 2010 für seine Verdienste um die Filmkunst ehrte. Seine Rede hielt er ohne einen Blick auf sein Manuskript: „Es ist schwierig mit der Wahrheit im Film, was schon meine Mutter wusste, die immer sagte: Alles hat seine zwei bis 17 Seiten.“ Kunst ist nämlich eine verdammt vertrackte Sache: Sie lässt gern mehrere Deutungen zu. Und sie macht den Künstlern das Leben schwer - wenn sie den Herrschenden nicht gefällt.

Von ihnen wurde auch der Filmemacher Kurt Maetzig nicht verschont. Da nutzte es wenig, dass er gern als Parteisoldat bezeichnet wurde. Ganz verkehrt ist das wohl nicht. Aber es ist die geringere Seite eines Mannes, der immer wieder im DEFA-Studio Neues ausprobierte.

Am schlimmsten traf es ihn mit „Das Kaninchen bin ich“ (1965), einer Geschichte um einen Richter, der eine Affäre mit einer Kellnerin beginnt, deren Bruder er aus politischen Gründen verurteilt hatte. Der Film wurde nach dem berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 verboten, Kurt Maetzig übte im „Neuen Deutschland“ Selbstkritik. Zweieinhalb Wochen später antwortete Walter Ulbricht väterlich-verzeihend. Die Narben blieben.

Was an Filmen folgte, trug Spuren der Ermüdung: „Das Mädchen auf dem Brett“ (1967) über Leistungssport und Leistungsdruck oder „Die Fahne von Kriwoj Rog“ (1967), ein schrecklich didaktisches Drama um eine von Mansfeld-Arbeitern vor Nazis versteckte sowjetische Flagge. An die Erfüllung seines filmischen Lebenstraums war Ende der Siebziger nicht zu denken: Für Heinrich Manns „Henri IV.“ fehlte der DEFA das Geld - und Voltaires „Candide“ galt als problematisch.

Der Thälmann-Zweiteiler (1954/55) aus stalinschem Geist ebenso wie „Das Lied der Matrosen“ (1958, Gruppenbild der Novemberrevolution) beeindrucken durch kraftvolle Massen- und intensiv inszenierte Privatszenen. 1957 überraschte er mit „Vergesst mir meine Traudel nicht“, einer leichten Komödie.

Kurt Maetzig blieb ein gespaltener Filmemacher. Einerseits attackierte er den Schematismus, andererseits huldigte er der Typisierung und einem didaktischen Realismus. Dabei hatte Kurt Maetzig, dessen jüdische Mutter sich kurz vor Kriegsende das Leben nahm, mit seinem Erstling „Ehe im Schatten“ (1947) die moralische Aufarbeitung der Vergangenheit als menschliches Melodram begonnen: Der Schauspieler Joachim Gottschalk wird von den Nazis wegen seiner jüdische Ehefrau in den Tod getrieben.

Die Karriere Kurt Maetzigs, der schon 1944 in die KPD eintrat, spiegelt zu einem Gutteil die Geschichte der DEFA wider.

Norbert Wehrstedt

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare