Celler Hengstparade

Kutschpferde gehen bei Hengstparade durch

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Foto: Bei der Celler Hengstparade sind am Sonnabend Pferde vor der Postkutsche durchgegangen und in eine Hecke geprescht.

Celle - Zuschauer der Celler Hengstparade erlebten am Sonnabend einige Schrecksekunden. Bei der ausverkauften Vorführung der Gespanne auf dem Landgestüt waren die Pferde vor der Postkutsche durchgegangen. Verletzt wurde niemand. Bei der Parade am Sonntag ging alles glatt.

Die Pferde waren in eine Hecke direkt vor den vollbesetzten Zuschauerrängen gerast. Ein Posthorn, das zur Vorführung gehörte, hatte die Tiere offenbar nervös gemacht, sie ließen sich nicht mehr lenken. Das Gespann landete in der Hecke, eine Deichsel brach, einer der Hengste lag am Boden. „Daran sieht man, wir arbeiten mit Tieren und nicht mit Maschinen“, sagte Landstallmeister Axel Brockmann nach der Veranstaltung und war wie viele der 3000 Zuschauer sichtlich erleichtert, dass am Ende weder Menschen noch Tiere verletzt wurden.

Das Malheur erinnert an die Schrecksekunde, die Pferdefreunde in Niedersachsen im Mai dieses Jahres erlebten. Damals ließ das Landgestüt Celle auf mitteilen, dass die diesjährigen Hengstparaden die letzten sein würden. „Die hohen Kosten für die Hengstparaden und die durch den Landesrechnungshof auferlegten Sparzwänge haben diesen Schritt erforderlich gemacht“, hieß es auf der Homepage.

Angeblich ist das jährliche Defizit des Landgestüts in jüngster Zeit auf einen einstelligen Millionenbetrag angewachsen, nachdem es 2006 noch bei 108.000 Euro gelegen hatte. Doch auch diese Schrecksekunde währte nur kurz. Kaum hatte sich die Nachricht vom drohenden Ende der klassischen Hengstparaden herumgesprochen, da bekannten sich Politiker aller Landtagsparteien zum Landgestüt und forderten einen Fortbestand der Veranstaltung. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) wies die Fortsetzung der Traditionsveranstaltung an.

Meyer war auch am Sonnabend als einer der Ehrengäste in Celle dabei – und fuhr im Begrüßungsschaubild auf einem der Wagen mit. Mittlerweile ist von einer Einstellung der Hengstparaden nicht mehr die Rede. „Auch in Zukunft werden die Hengstparaden stattfinden“, bekräftigte Meyer noch einmal.

Stattdessen will man sich umorientieren. Zum „Erlebnis Landgestüt“ sollen nicht nur die Hengstparaden gehören. Tatsächlich hat sich bereits einiges getan. Himmelfahrtsgottesdienst, Gartenfestival, internationales Turnier historischer Kutschenfahrer, Weihnachtsmarkt und Christmesse - wer heute einen Blick hinter die Zäune des Gestüts und in die historischen Pferdeställe werfen möchte, ist schon lange nicht mehr auf die traditionellen Hengstparaden angewiesen.

Im kommenden Jahr sollen die Hengstparaden neu gestaltet werden. „Das Konzept wird weiterentwickelt“, bestätigte Brockmann. Je nachdem, welche Schaubilder gezeigt werden, könnte der Hengstbestand weiter reduziert werden. Auch andere Pferderassen könnte sich Brockmann in den Paraden vorstellen. Ein Zuschussgeschäft werden die Hengstparaden laut Landwirtschaftsminister trotzdem bleiben. Dennoch: „Es war die richtige Entscheidung, die Einstellung aufzuhalten.“ Wie genau die Veranstaltung im kommenden Jahr aussehen wird, ist aber noch nicht klar. „Das zu besprechen ist unsere Winteraufgabe“, so Brockmann.

Freier Eintritt für Flüchtlinge: Auch am kommenden Sonnabend und Sonntag finden Hengstparaden auf dem Landgestüt Celle statt. Dabei werden auch die Flüchtlinge, die in Celle untergebracht sind, Willkommen geheißen. Sie haben freien Eintritt zur Jubiläumshengstparade am 4. Oktober.

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