Bohrschlammrückstände in Grundwasser

Land untersucht Teiche auf Giftmüll

+
Die Pumpe steht in Wietze schon seit Jahrzehnten still. Nun bereitet mit Chemikalien belasteter Schlamm, der ins Bergwerk gepumpt wurde, Probleme.

Wietze - Im Umweltministerium in Hannover herrscht Alarmstimmung, im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld finden Krisensitzungen statt. Der Grund: Es besteht der Verdacht, dass Hunderte alter Bohrschlammdeponien das Grundwasser in Niedersachsen gefährden.

Auch das 1963 aufgegebene Erdölbergwerk in Wietze (Kreis Celle) dürfte ins Visier der Bergaufsichtsbehörden geraten, denn es wurde jahrzehntelang als Untertagedeponie für Abfälle genutzt, die bei der Suche nach Erdöl- und Erdgaslagerstätten anfielen.

Ohne große Rücksicht auf die Umwelt wurden im vergangenen Jahrhundert teils sehr giftige Abwässer in kleine Gruben oder Teiche gekippt. Ihr flüssiger Inhalt wurden später in mehreren Fällen nach Wietze gebracht und in etwa 250 Metern Tiefe versenkt. Die Landesregierung lässt jetzt überprüfen, welche Schadstoffe sich in den Bohrschlammlagern befinden. Allein im Raum Celle werden demnächst 37 Schlammteiche untersucht, wie der Landkreis mitteilte.

Ein förmliches Genehmigungsverfahren nach heutigen Standards hat es für die Deponie Wietze nie gegeben. Dennoch ist in Wietze die vermutlich größte niedersächsische unterirdische Bohrschlammdeponie eingerichtet worden. Wie es heute heißt, war das seinerzeit nach geltendem Bergrecht erlaubt. Deshalb hätten die Bergbehörden das Verklappen von Bohrschlamm toleriert - bis das Oberlandesgericht Celle das Einleiten von gefährlichen Stoffen in das Erdölbergwerk untersagte.

Zwei Einfüllstutzen wurden für das Verklappen des Bohrrschlamms genutzt: Einer befand sich auf dem heute noch vorhandenen Betriebsgelände der damaligen Deutschen Erdöl-AG (DEA), der andere direkt daneben in einem Waldstück, das der Forstgenossenschaft Jeversen gehört. Die Jeverser Waldbesitzer sträubten sich viele Jahre gegen das ihrer Auffassung nach vertragswidrige Verhalten der DEA. Sie wollten nicht hinnehmen, dass ein ehemaliger Lüftungsschacht des Bergwerks für das Einleiten von Bohrschlamm genutzt wird. Anwälte wurden bemüht, von etwa 1996 bis 2003 wurde prozessiert. Sogar der Bundesgerichtshof in Karlsruhe wurde angerufen, doch weigerten sich die dortigen Richter, sich der Entschädigungsklage aus Jeversen anzunehmen.

Den Bauern war es ein Dorn im Auge, dass fast täglich große Tankwagen nach Wietze rollten und dort Bohrschlamm abluden, der auch Chemikalien enthielt. Welche Mengen in das Bergwerk gekippt wurden, hat die DEA genau registriert. Im Jahre 1984 sollen es mindestens 5000 Kubikmeter Bohrschlamm gewesen sein. Bis Anfang der Neunzigerjahre könnten durchaus 100 000 Kubikmeter zusammengekommen sein, vermutet Henning Habel, der heute Vorsitzender der Forstgenossen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare