Quecksilber im Heidekreis

Land will alle Erdgasfelder überprüfen lassen

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In der Nähe der Anlage in Söhlingen wurde Quecksilber gefunden. Das chemische Element hat das Kürzel Hg, abgeleitet vom griechischen „Hydrargyros“ – flüssiges Silber.

Hannover - Nach dem Fund von Quecksilber in der Nähe einer Erdgasförderstelle im Heidekreis will das Land sämtliche Bohrstellen auf Belastungen mit dem giftigen Schwermetall untersuchen lassen.

„Wir wollen für ganz Niedersachsen mögliche Belastungen des Bodens und im Grundwasser kennen“, sagte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel der HAZ. Der Grünen-Politiker forderte „umfassende Aufklärung“ von den Energiekonzernen. „Die Betreiber der Anlagen müssen für Klarheit und Transparenz sorgen. Das Land ist in der Verantwortung, dass das auch geschieht“, sagte Wenzel.

In der vergangenen Woche hatte der Energiekonzern Exxon Mobil bekannt gegeben, dass in der Nähe seines Erdgasfeldes Söhlingen Ost-Z1 im Heidekreis erhöhte Quecksilberwerte festgestellt wurden. Die Proben hatte das Unternehmen in Auftrag gegeben, nachdem der Naturschutzbund Nabu giftiges Schwermetall in der Nähe der Erdgasförderstelle gefunden hatte. Offenbar bestätigt das Ergebnis der Untersuchungen von Ende Mai die Werte des Nabu. Der Nabu hatte an zwei Stellen gemessen. Mit 4,2 und 6,7 Milligramm Quecksilber je Kilogramm Boden lagen die Werte laut Nabu etwa um die Faktoren 40 und 70 über dem Gehalt unbelasteten Bodens.

Wenzel sieht bei der Aufklärung vor allem die Energiekonzerne in der Pflicht. Sie sollen eigene Untersuchungen an ihren Förderstellen in Auftrag geben. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wird in den kommenden Monaten außerdem eigene Leute hinausschicken, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums erklärte. „Nach und nach werden sämtliche Bohrstellen in Niedersachsen untersucht“, sagte der Sprecher. Das sei mit dem Umweltministerium so abgestimmt. In Niedersachsen wird von vier Energiekonzernen an 83 Stellen Erdgas gefördert.

Dabei fällt immer Quecksilber an. Es stammt aus den unterirdischen Lagerstätten und wird bei der Förderung zusammen mit dem Erdgas, mit Wasser und anderen Stoffen aus der Bohrung an die Oberfläche befördert. Sollten in der Nähe von weiteren Förderstellen Kontaminationen auftreten, könnten auf die Energiekonzerne hohe Sanierungskosten zukommen. Das belastete Erdreich muss ausgekoffert und entsorgt werden. Das Land ist der Auffassung, dass die Unternehmen für die Beseitigung des Schadens zuständig sind.

Unterdessen werden auf dem Erdgasfeld Söhlingen Ost-Z1 in der kommenden Woche weitere detaillierte Untersuchungen vorgenommen. Darauf haben sich Vertreter des LBEG, der Landkreise Heidekreis und Rotenburg/Wümme sowie Exxon in Soltau geeinigt. Um die Ursache weiter zu erforschen, soll nach Aussage eines Exxon-Sprechers ein externer Sachverständiger an mehr als zehn Stellen Proben von Graben- und Bachsedimenten nehmen und analysieren. „Aus den Ergebnissen werden dann in einem nächsten Schritt mögliche Sanierungsmaßnahmen abgeleitet“, sagte der Sprecher weiter. Zudem kündigte das Unternehmen an, alle Erdgasförderplätze im Raum Söhlingen systematisch zu überprüfen.

Karl Doeleke und Kristian Teetz

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