Mehrere tausend Betroffene

Land will Intersexuelle unterstützen

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Foto: Mein Körper, meine Wahl: In Niedersachsen leben mehrere tausend Menschen ohne bestimmbares Geschlecht.

Hannover - Mehrere tausend Menschen in Niedersachsen leben ohne klar bestimmbares Geschlecht. Die Herausforderungen eines Lebens zwischen Mann und Frau waren nun zum ersten Mal Thema eines Fachtags. Die Landesregierung will intersexuelle Menschen verstärkt fördern.

Mit 40 000 Euro im Jahr will das Land Niedersachsen die Beratung und Selbsthilfe intersexueller Menschen fördern. "Es geht darum, plurale Sexualitäten zu akzeptieren", sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) auf dem 1. Niedersächsischen Fachtag zur Intersexualität. Rund 90 Teilnehmer beschäftigten sich in Hannover mit der Lebenssituation und den Rechten der 4000 bis 6000 Menschen in Niedersachsen ohne klar bestimmbares Geschlecht. Dabei stand auch die medizinische Behandlung zwischengeschlechtlicher Kindern sowie die Eintragung bei Behörden im Mittelpunkt.

"Intersexuelle werden bundesweit benachteiligt, das ist nicht nur in Niedersachsen so", sagte Lucie Veith, Vorsitzende des Bundesverbands Intersexuelle Menschen. Die meisten Intersexuellen lebten völlig unauffällig, wollten aber ein diskriminierungsfreies Leben führen. "Die Öffentlichkeit soll mitbekommen, dass es diese Menschen gibt und dass sie Bedürfnisse haben. Das ist noch nicht angekommen." Die rot-grüne Koalitionsvereinbarung in Niedersachsen betont die Förderung der geschlechtlichen Vielfalt. "Die Debatten stehen noch am Anfang", betonte Hans Hengelein, der für das Thema im Ministerium zuständig ist.

Jährlich werden beispielsweise rund 30 intersexuelle Kinder in Niedersachsen geboren. Betroffene und Verbände lehnen operative Eingriffe zur Geschlechterbestimmung von Kindern als menschenrechtswidrig ab. In Deutschland leben insgesamt rund 80 000 intersexuelle Menschen. Das Geschlecht neugeborener Kinder muss seit November 2013 in Deutschland nicht mehr kurz nach der Geburt festgelegt werden. Der Deutsche Ethikrat hatte die Gesetzesänderung empfohlen und fordert nun eine klare dritte Kategorie für Erwachsene. "Es gibt eine große Bandbreite von weder noch", sagte Michael Wunder, der die Arbeitsgruppe Intersexualität im Deutschen Ethikrat leitete.

dpa

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