Jahreshauptversammlung in Hannover

Landvolk Niedersachsen schimpft auf Minister Meyer

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Seit Monaten ist das Klima zwischen dem Landvolk und dem grünen Landwirtschaftsminister Christian Meyer eisig.

Hannover - Die jährliche Hauptversammlung des Landvolks war für einen Landwirtschaftsminister in Niedersachsen bislang ein Pflichttermin. Doch das Fehlen von Christian Meyer am Mittwoch nutzte der wiedergewählte Landvolk-Präsident Werner Hilse dennoch zu Kritik an der Landesregierung.

Für Landwirtschaftsminister in Niedersachsen war es bislang immer ein Pflichttermin: Die jährliche Hauptversammlung des Landvolks, in dem 40 000 Landwirte organisiert sind. Doch bei dem Treffen der 300 Delegierten gestern in Hannover fehlte Agrarminister Christian Meyer (Grüne), er hatte wegen Terminschwierigkeiten abgesagt. Und so verpasste er, dass Landvolk-Präsident Werner Hilse ihn in seiner Rede vor 300 Delegierten kritisierte – aber erstmals auch lobende Worte fand.

Zum Auftakt ließ Hilse aber deutliche Kritik hören. „Wir lassen uns nicht vorwerfen, die Vergifter des Landes zu sein“, schimpfte der 62-Jährige, der zuvor mit 95 Prozent der Stimmen in seinem Amt für drei Jahre wiedergewählt worden war. Es gäbe Gruppen im Land, die „Landwirtschaft für lästig halten und am liebsten nur Biodiversität hätten“, war nur eine von mehreren Attacken, die Hilse gegen die Grünen richtete, ohne sie beim Namen zu nennen. Doch müsse Landwirtschaft sich an einem Markt behaupten und eine Politik, die sich fachlichen Argumenten verschließe, werde dazu führen, dass Betriebe schließen müssten. „Wir sind offen für Kritik. Wir sind nicht offen für Ideologie.“

Seit Monaten ist das Klima zwischen dem Landvolk und Meyer eisig. Meyer nutzt jede Gelegenheit, sich als Verbraucherschutzminister zu präsentieren, der gegen die Auswüchse in der Landwirtschaft kämpft, wie der Überdüngung, dem Einsatz von Antibiotika oder dem Kürzen von Schnäbeln. Das Landvolk wiederum wirft Meyer vor, er profiliere sich mit seiner Rhetorik auf Kosten der Landwirte.

So versuchte Gastredner Wiard Siebels, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, eine Brücke zwischen den Lagern zu schlagen. „Niedersachsens Landwirte sind die Pfleger unserer Kulturlandschaft, sie schaffen Arbeitsplätze und sind verantwortungsvolle Tierhalter und eben keine Tierquäler“, lobte Siebels mit ostfriesischer Sprachfärbung sein Publikum. „Wir sind stolz auf Sie, wir sind stolz auf die niedersächsischen Familienbetriebe.“ Warme Worte, die mit warmem Applaus belohnt wurden.

Doch Siebels mahnte auch die Landwirte, dass der Wunsch nach einer neuen, sanfteren Landwirtschaft nicht aus der Politik, sondern aus der Gesellschaft komme. Das dürfe man nicht ignorieren. Es gebe berechtigte Sorge etwa über den Einsatz von Antibiotika, die man ernst nehmen müsse. Niedersachsens Landwirtschaft müsse sich weiterentwickeln, dürfe dabei aber nicht ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren, sagte der SPD-Abgeordnete.

Und auch Hilse fand noch lobende Worte für Meyer: Er registriere bei der Umsetzung des Tierschutzplans eine „Wende von der Wende“, sagte der Landvolk-Präsident. Der Minister habe zugesagt, ohne wissenschaftliche Expertise keine verbindlichen Vorgaben mehr machen zu wollen und dabei auch die Wettbwerbsfähigkeit der niedersächsischen Landwirtschaft im Blick zu haben.

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