Nach tödlichen Kollisionen

Wie lassen sich Lastwagenunfälle vermeiden?

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Hannover - Die beiden tödlichen Lastwagenunfällen auf der A2 und der A7 in den beiden vergangenen Tagen sind keine Einzelfälle: Seit Jahresbeginn häufen sich folgenschwere Kollisionen auf Niedersachsens Autonbahnen. Das Innenministerium hat eine detaillierte Unfallanalyse in Auftrag gegeben.

In aller Regel kracht es am Stauende: Der Fahrer eines Holztransporters stirbt am Donnerstag auf der A2 im Kreis Schaumburg, als er auf einen Lkw mit Metallteilen auffährt. Tags zuvor wird ein am Handy tippender 33-Jähriger bei Seesen im Fahrerhaus zerquetscht, als er in zwei bereits kollidierte Lkw rast. Fast schon täglich blockieren schwere Lastwagenunfälle in den letzten Wochen Niedersachsens Autobahnen. Weil die Zahl solcher Unfälle mit Toten seit Jahresbeginn deutlich angestiegen ist, lässt das Innenministerium die Ursachen der Karambolagen derzeit im Detail auswerten, um nach Gegenmaßnahmen zu suchen.

Was sind die Hauptunfallursachen?

Zu geringer Abstand, Langeweile und vor allem Ablenkung - diese Faktoren nennt der Leiter der Autobahnpolizei in Garbsen, Friedhelm Stucke, als die nach wie vor häufigsten Ursachen vieler Unfälle. In den zertrümmerten Fahrerhäusern fänden die Beamten verschüttetes Essen oder Kaffee sowie laufende Laptops, auf denen die Fahrer Filme angeschaut haben. Auch das Surfen oder Chatten mit Smartphones ist - wie Mittwoch in Seesen - ist zunehmend Auslöser von Karambolagen. Genaue Zahlen hat die Polizei dazu aber noch nicht. Lieferwagenfahrer disponieren teils sogar Ladung am Computer, während sie am Steuer sitzen.

Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?

Bei Lkw-Sicherheitstagen auf Rastplätzen informieren Polizei und Verkehrsgewerbe über die Gefahren auf der Autobahn. Die Polizei ist mit Zivilwagen auf der Autobahn unterwegs, um den Abstand zu messen. Mit Plakaten - auch in fremden Sprachen - wurden Fahrer auf der A2 zu vorsichtiger Fahrweise angehalten. Drastischer war vor einigen Jahren eine Aktion mit Holzkreuzen an den Orten tödlicher Unfälle. Die Kampagne "Tippen tötet" warnt speziell vor den Gefahren des Smartphones. Auf der A2 wurden quer durch Niedersachsen variable Tempolimits installiert, die das Unfallgeschehen entspannten. 2007 wurde speziell mit Blick auf die Unfallsituation auf der A2 die "Werkstatt Autobahn" unter Einbindung verschiedener Behörden eingerichtet.

Was kann man noch tun?

"Wir als Verkehrswacht wissen im Augenblick nicht, was wir noch tun sollen", sagte die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht Niedersachsen, Cornelia Zieseniß. Der viele Verkehr und die häufigen Staus führten dazu, dass die Fahrer in Kolonnen unterwegs seien und dabei oft unaufmerksam würden. Beim Einrichten von Baustellen habe man die Stau- und Unfallgefahr inzwischen verstärkt im Blick.

Spielt der Streik bei der Deutschen Bahn eine Rolle?

Zumindest in dieser Woche, darauf weist die Verkehrswacht hin, hat der Lkw-Verkehr auf den Autobahnen noch mal zugenommen, weil wegen des langen Streiks bei der Bahn viele Transporte auf die Straße verlegt werden.

Gefühlt kracht es immer öfter - wie sehen die Zahlen über einen längeren Zeitraum aus?

Auch wenn es manchmal Ausschläge nach oben gibt, habe sich die Situation im langjährigen Vergleich spürbar verbessert, sagt der Braunschweiger Polizeisprecher Wolfgang Klages mit Blick auf die Autobahnabschnitte im Osten Niedersachsens. Zwar ist in jeden zweiten Unfall auf der A2 weiterhin ein Lkw verwickelt. Seit 2000 ging die Zahl der Karambolagen im Ostabschnitt der A2 allerdings um 30 Prozent zurück. Die Zahl der Unfälle mit Verletzten und Toten sank um 34 Prozent.

dpa

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