Umstrittener Bremer Pastor

Latzel predigte gegen Abtreibung auf Kita-Fest

+
Foto: Der Bremer Pastor Olaf Latzel geriet schon vor Jahren unter Kritik.

Bremen - Die Affäre um den Bremer Pastor Olaf Latzel weitet sich aus: Nachdem der 47-Jährige kürzlich eine abfällige Predigt gegen andere Glaubensrichtungen gehalten hatte, wurden jetzt Vorwürfe von Eltern bekannt, wonach er bereits vor Jahren auf einem Kita-Fest Abtreibung als Mord hingestellt haben soll.

Publik wurde der Vorfall durch einen Leserbrief, den ein Vater in der Bremen-Ausgabe der „tageszeitung“ (taz) veröffentlichte. Auf Nachfrage der HAZ sagte der Leserbriefschreiber, ein 49-jähriger Physikprofessor, Pastor Latzel habe bei einem Kindergartenfest einer christlichen Elterninitiative über Abtreibung gesprochen, und zwar in dem Sinne, dass es sich dabei um Mord handele. Die rund 50 Kinder hätten diese Aussage nachsprechen sollen, damit auch ihre anwesenden Eltern es noch einmal aus ihrem Mund zu hören bekämen.

Die Mutter eines anderen Kindes bestätigte diesen Vorwurf weitgehend. Sie könne zwar nicht beschwören, dass Latzel das Wort „Mord“ verwendet habe, sagte die 47-jährige Beamtin aus der Bremer Senatsverwaltung, „aber etwas in der Art“. Mehrfach habe er die Kinder aufgefordert, dies wie eine Art Refrain zu wiederholen. Der Pastor selbst sagte dazu, er habe in seiner Kinderfest-Andacht davon gesprochen, „dass Abtreibung nicht in Ordnung ist“. Er lasse auch gerne Kinder etwas nachsprechen, aber er schließe aus, dass die Kleinen damals Aussagen zum Thema Abtreibung wiederholen sollten.

Der damals von den Äußerungen entsetzte Professor und Vater gab an, den evangelikalen Pastor direkt nach dessen Ansprache unter Zeugen auf sein Vorgehen angesprochen zu haben. Dabei soll Latzel gesagt haben, Abtreibungen seien schlimmer als die Ermordung der Juden im Dritten Reich. Der HAZ sagte der Pastor gestern, er habe lediglich gesagt, dass in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland mehr Menschen durch Abtreibung als früher durch den Holocaust gestorben seien. Damit wolle er aber keinesfalls die Judenverfolgung verharmlosen. Abtreibung sei für ihn auch nicht pauschal Mord, aber mindestens dann, wenn sie „aus Bequemlichkeit“ oder ähnlichen Gründen erfolge. Für seine Predigt gegen andere Religionen hatte der Evangelikale heftige Kritik auf sich gezogen. Er erhält aber auch Unterstützung: Mehr als 6500 Internetnutzer schlossen sich einem Facebook-Aufruf „Solidarität mit Olaf Latzel“ an.

Von Eckhard Stengel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare