Organspendeskandal

Leberchirurg vielleicht bald wieder frei

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Der seit Januar in Untersuchungshaft sitzende frühere Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie wird voraussichtlich demnächst freigelassen.

Göttingen - Er muss sich wegen versuchten Totschlags vor Gericht verantworten und kommt vielleicht doch bald wieder auf freien Fuß: Das Landgericht Göttingen hat überraschend ein baldiges mögliches Ende der Untersuchungshaft für den früheren Leiter der Transplantationschirugie am Göttinger Uni-Klinikum angekündigt.

Der seit Januar in Untersuchungshaft sitzende frühere Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie wird voraussichtlich demnächst freigelassen. Dies stellte am Dienstag der Vorsitzende Richter dem Angeklagten in dem Prozess vor dem Landgericht Göttingen in Aussicht. Der Mediziner muss sich dort seit Mitte August wegen versuchten Totschlages in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten. Der bisherige Prozess habe „keine belastbare Grundlage“ für den Vorwurf ergeben, dass der Angeklagte in den drei letztgenannten Fällen vorsätzlich gehandelt habe, sagte der Richter Ralf Günther. Die Kammer tendiere deshalb dazu, Haftverschonung zu gewähren und den Haftbefehl gegen Auflagen aufzuheben. Eine abschließende Entscheidung werde man innerhalb der nächsten zwei Wochen treffen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Chirurgen unter anderem vor, drei Patienten eine Leber transplantiert zu haben, obwohl dafür keine Indikation vorgelegen habe. Alle drei Patienten waren in der Folgezeit verstorben. Außerdem soll er mit Hilfe von Datenmanipulationen dafür gesorgt haben, dass Patienten gegenüber Eurotransplant als kränker dargestellt wurden, als sie tatsächlich waren.

Die Göttinger Universitätsmedizin hatte sich nach Bekanntwerden der Vorfälle Ende 2011 von dem Mediziner getrennt. Nachfolger wurde Professor Otto Kolmar. Dieser hatte zuvor die Warteliste der Patienten überprüft, die als Transplantationskandidaten eingestuft worden waren. Von den etwa 130 Patienten habe er mehr als 20 sofort von der Liste genommen, sagte der Chirurg, den das Gericht am Dienstag als Zeuge geladen hatte. Bei seinem Amtsantritt im April 2012 nahm Kolmar viele organisatorische Änderungen vor, um vor allem mehr Transparenz zu schaffen. Bis dahin seien die Transplantationschirurgen innerhalb des Göttinger Klinikums ein kleiner isolierter Zirkel gewesen, sagte der Oberarzt.

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