Protest in Hannover

Lehrer zeigen Ausdauer

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Foto: Klagemauer mit staatlicher Unterrichtsverpflichtung: Gymnasiallehrer protestierten am Sonnabend in Hannover.

Hannover/Lüneburg - Der Protest der Lehrer gegen die geplante Mehrarbeit an Gymnasien hält an: Die angekündigten Aktionen sollen offenbar bis zum Beschluss im Landtag nicht abreißen. In Hannover gingen jetzt zum dritten Mal sonnabends zur besten Einkaufszeit Lehrer in der City auf die Straße.

Die Pädagogen trafen sich nur für einige Minuten zu einem sogenannten Flashmob. Mit handbeschriebenen Schildern bildeten sie gemeinsam mit Eltern vor dem Hauptbahnhof eine Klagemauer, die ihnen kurzfristig Aufmerksamkeit bescherte. „Ich bin ein Mensch und keine Korrekturmaschine“ oder „Ich bin eine Mutter und kein Ersatzlehrer“ stand auf den Transparenten.

Der Lehrerprotest gegen die geplante Mehrarbeit an Gymnasien spaltet die niedersächsische Schülerschaft. Während die einen gegen Mehrbelastung der Pädagogen auf die Straße gehen, demonstrieren die anderen für den Erhalt der Klassenfahrten. Dabei ist nicht klar, gegen wen sich der Protest der zweiten Gruppe richtet. Gegen die Landesregierung, die Gymnasiallehrer eine Stunde länger unterrichten lassen will? Oder gegen die Lehrer? Denn viele Pädagogen wollen künftig keine Klassenfahrten anbieten, wenn sie ab August 2014 künftig 24,5 statt wie bisher 23,5 Stunden in der Woche unterrichten müssen.

Ende November hatten sich die Personalräte von mittlerweile mehr als 110 der landesweit 265 Gymnasien für die Streichung von Klassenfahrten ausgesprochen. Ihre Begründung: Die Lehrer würden seit Jahren freiwillig viel mehr leisten als sie müssten. Die tatsächliche Arbeitszeit liege nicht bei 40, sondern bei bis zu 54 Stunden in der Woche, heißt es. Ausgleich gebe es kaum, die Anrechnungsstunden reichten nicht. So bekäme ein Lehrer, der eine Woche auf Klassenfahrt sei, dafür gerade einmal vier Stunden gutgeschrieben.

Doch die Landtagsmehrheit will an der geplanten Mehrarbeit festhalten, in dieser Woche soll sie beschlossen werden. Deshalb wächst der Widerstand dagegen. Am Montag protestieren Schüler in mehreren niedersächsischen Städten erneut. So wollen am Mittag mehrere Gymnasien in Lüneburg einen Sternenmarsch veranstalten. „Ich habe unseren Schülern gesagt, ihr seid glaubwürdiger, wenn ihr nachmittags auf die Straße geht“, sagt Dieter Stephan, Vorsitzender der Direktorenvereinigung und Rektor des Lüneburger Gymnasiums Oedeme. Da viele Gymnasiasten aber auf Busverbindungen in den Landkreis angewiesen seien, sei der Protest schließlich doch in die Unterrichtszeit gelegt worden.

In Hannover demonstrieren die Schüler dieses Mal nachmittags – um zu verdeutlichen, dass ihnen das Thema auch außerhalb der Unterrichtszeit ein Anliegen ist. Mindestens 800 Teilnehmer werden am Montag von den Organisatoren – Schülern verschiedener Gymnasien – erwartet. Gleich zwei Tage später ruft das Bündnis „Pro Klassenfahrten“ Schüler in Hannover erneut zu einer Demonstration auf. Am Dienstag plant die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft eine Protestaktion in Landtagsnähe.

In Hannover haben am Sonnabend auch etliche Referendare am Protest teilgenommen. „Wir werden durch Mehrarbeit der vorhandenen Lehrer auf lange Sicht keine Aussicht auf eine Stelle haben“, sagte ein 27-Jähriger. Junge Lehrer mit neuen Ideen würden dadurch bald an den Gymnasien fehlen. Statt Gymnasiallehrer für eine vermeintlich Angleichung stärker zu belasten sollte eher die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer an anderen Schulformen gesenkt werden. Die Reaktion der Passanten reichte von Verständnis bis Ablehnung: „Lehrer haben sichere Arbeitsplätze und ein gutes Einkommen.“

Von Saskia Döhner und Bärbel Hilbig

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