Feuer in Cloppenburg

Leiharbeiter lebten in einer Schrottimmobilie

Foto: „Immer nur Miete kassiert und sonst nichts gemacht“: Das Haus nach dem Brand.

Essen - Das in der Nacht zum Sonntag ausgebrannte Haus im Kreis Cloppenburg, in dem zwölf Rumänen lebten, war eine Schrottimmobilie. Der Landkreis hatte dem Eigentümer die Vermietung bereits untersagt. Die Ursache für das Feuer ist zurzeit noch nicht geklärt.

Nach einem Feuer in einem Wohnhaus in Essen gerät erneut die Unterbringung osteuropäischer Leiharbeiter in sogenannten Schrottimmobilien in den Blickpunkt. In der Nacht zu Sonntag war in der Gemeinde im Kreis Cloppenburg ein Haus abgebrannt, in dem zwölf Rumänen lebten – das Haus ist nicht mehr bewohnbar. Die Ursache für das Feuer ist nach Polizeiangaben vom Montag noch unklar.

Niemand kann also derzeit sagen, ob der angeblich schlechte Zustand des Gebäudes zu dem Brand geführt hat. Wie sich gestern aber herausstellte, hätten die Arbeiter dort gar nicht wohnen dürfen. Der Landkreis Cloppenburg hatte dem Eigentümer die Vermietung untersagt. „Weil der dagegen Widerspruch eingelegt hat und das Verfahren noch läuft, konnten wir aber nicht räumen“, sagte gestern eine Kreissprecherin. Das Haus sei auch nicht so baufällig gewesen, dass sofortiger Handlungsbedarf bestanden habe. Die Räumung hat sich nach dem Feuer erübrigt.

Vorwürfe gegen den Vermieter

Die Rumänen hatten Glück. Acht von ihnen – alle arbeiten für Subunternehmer in einem großen Schlachthof in Essen – waren zu Hause, sie konnten sich retten. Vor zwei Jahren waren bei einem Feuer im emsländischen Papenburg zwei rumänische Leiharbeiter ums Leben gekommen. Der Brand hatte eine politische Debatte um die Unterbringung von Leiharbeitern angestoßen. Bund und Land versprachen Besserung.

Viel hat sich offenbar seitdem nicht getan – das legt zumindest der angeblich schlechte Zustand des Hauses nahe. Selbst ein Besuch des Bundeswirtschaftsministers in Essen blieb wohl wirkungslos. Im März hatte Sigmar Gabriel eben jenes Haus von innen gesehen und soll erschüttert gewesen sein. Spätestens seitdem war der Landkreis informiert. Erst vor gut einer Woche hat zudem der Cloppenburger SPD-Kreistagsabgeordnete Detlef Kolde noch einmal in einem Brief an Landrat Johann Wimberg (CDU) auf den schlechten Zustand des Hauses hingewiesen: Der sei eine Gefahr für Bewohner und Besucher.

Was der Kreis unternommen hat, fragt sich auch Daniela Reim. Sie kümmert sich im Auftrag des Landes um osteuropäische Leiharbeiter. Reim erhebt Vorwürfe an den Vermieter, der am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar war. „Der hat immer nur die Monatsmiete in bar kassiert und sonst nichts an dem Haus gemacht.“ Sie hat von einem der Bewohner eine Quittung über 250  Euro gesehen – macht bei zwölf Mietern insgesamt 3000 Euro Mieteinnahmen monatlich, 36 000 Euro im Jahr.Und das Land? „Wir erwarten, dass die Landkreise die Zustände in den Unterkünften weiterhin genau im Blick haben und für die Abstellung von Missständen sorgen“, sagte ein Sprecher von Sozialministerin Cornelia Rundt. Die Gemeinde hat die Leiharbeiter in einer Pension untergebracht. Ab Mai sollen sie in Wohnungen leben, die eigentlich für Asylbewerber gedacht waren.

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