Zehntausende auf dem Petersplatz

Letzter Auftritt von Papst Benedikt XVI.

+
Foto: Papst Benedikt XVI. verabschiedet sich am Mittwoch mit seiner letzten Generalaudienz von den Gläubigen.

Rom - Der scheidende Papst Benedikt XVI. hat den Gläubigen bei seiner letzten Generalaudienz gedankt und die ganze Welt in sein Gebet eingeschlossen. Er vertraue Gott die Kirche in aller Welt an, sagte Benedikt am Mittwoch vor Zehntausenden von Pilgern und Touristen auf dem Petersplatz in Rom.

Mit einer sehr persönlichen Ansprache hat sich Papst Benedikt XVI. am Mittwoch von Gläubigen aus aller Welt verabschiedet. Das katholische Kirchenoberhaupt warb bei seiner letzten Generalaudienz vor Zehntausenden Menschen auf dem restlos gefüllten Petersplatz in Rom um Verständnis für seine Entscheidung, als erster Papst der Neuzeit zurückzutreten. Die Pilger aus vielen Ländern der Erde feierten den Papst zum Abschied mit Sprechchören und Jubel.

Schon am frühen Morgen waren viele Gläubige zum Vatikan geströmt, um sich Plätze mit der besten Sicht auf den Papst zu sichern. Das vatikanische Fernsehen berichtete später von insgesamt mehr als 200.000 Menschen auf dem Petersplatz. Darunter waren auch zahlreiche Pilger aus Deutschland, insbesondere aus der bayerischen Heimat Benedikts. In seinem Papamobil fuhr der 85-jährige Pontifex zum Abschied langsam durch die Menge auf dem Petersplatz und grüßte die Gläubigen. Sein Sekretär Georg Gänswein reichte ihm Kleinkinder auf das Elektromobil, damit er sie berühren und mit einem päpstlichen Kuss segnen könne.

In seiner Ansprache verwies der Papst noch einmal auf seine nachlassenden Kräfte. "Die Kirche lieben heißt auch, schwierige, harte Entscheidungen zu treffen und sich dabei immer das Wohl der Kirche vor Augen zu halten, nicht das eigene Wohl", sagte er über seinen Rücktritt. Zugleich stellte er klar, dass dieser Schritt keine Rückkehr ins Private sei. Er habe am 19. April 2005 die Bürde des Papstamtes "für immer" akzeptiert, sein Amtsverzicht widerrufe das nicht: "Ich kehre nicht ins Privatleben zurück, in ein Leben der Reisen, Begegnungen, Empfänge, Konferenzen und so weiter."

Benedikt will sich allerdings komplett aus der Öffentlichkeit zurückziehen und sich in erster Linie dem Gebet widmen. Im Laufe seines Pontifikats habe es "Momente der Freude und des Lichtes" geben, aber auch schwierige Augenblicke, sagte Benedikt weiter. Zugleich ermunterte die Gläubigen: Auch wenn viele vom Niedergang der Kirche redeten, so sei doch sichtbar, "wie die Kirche heute lebendig ist".

Die Menge unterbrach die Ansprache mehrfach mit Applaus. Gläubige hielten Fahnen und bunte Spruchbänder in vielfältigen Farben und Sprachen in die Höhe: kurze Dankesbotschaften und Sympathiebekundungen für den scheidenden Papst. Am Ende der Generalaudienz waren Sprechchöre wie im Fußballstadion zu hören: "Be-ne-detto! Be-ne-detto!"

Am Mittag empfing Benedikt XVI. noch vier Politiker im Apostolischen Palast zum persönlichen Gespräch, darunter den slowakischen Präsidenten Ivan Gasparovic und den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Der Papst habe einen "aufgeräumten Eindruck" gemacht, sei "sehr locker und auch humorvoll" gewesen, berichtete Seehofer anschließend und lobte Benedikts Pontifikat als "hoch erfolgreich".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, lobte den Papst als "Brückenbauer". Benedikt habe Brücken innerhalb der Kirche gebaut, sei aber auch auf andere Kirchen zugegangen und habe Zeichen im Umgang mit den Juden und Muslimen gesetzt. Allerdings sieht der Freiburger Erzbischof nach Benedikts Pontifikat Handlungsbedarf in der Kurie: "Papst Benedikt ist zuerst Theologe", sagte Zollitsch am Dienstagabend mit Blick auf Turbulenzen im Kirchenstaat wie dem "Vatileaks"-Skandal.

Organisationsaufgaben seien nie das gewesen, "was sein Herz besonders ausgefüllt hat". Im Pontifikat des nächsten Papstes müssten "die Dinge, die jetzt nicht in Ordnung waren, nicht richtig gelaufen sind" neu angepackt werden. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, bekundete dem Papst Respekt und Hochachtung für seinen Rücktritt. Zugleich würdigte er Benedikts Einsatz für die Ökumene: Dass er 2001 in Erfurt als erster Papst einen Ort besucht habe, an dem der Reformator Martin Luther gelebt und gewirkt hat, "haben wir als ein großes Zeichen der Wertschätzung empfunden".

Benedikt XVI. ist noch bis Donnerstagabend, 20 Uhr, im Amt. Drei Stunden vorher fliegt er mit dem Hubschrauber in die Päpstliche Sommerresidenz in Castel Gandolfo, wo er die nächsten Monate verbringen wird, bis sein neues Domizil innerhalb der Vatikan-Mauern umgebaut ist.

dapd

1522798

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare