Neuer Audimax in Lüneburg

Libeskind-Bau feiert Richtfest

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Libeskind-Neubau

Lüneburg - Nach langjährigem Streit wächst das neue Unigebäude in Lüneburg in die Höhe.

Die Handschrift von Daniel Libeskind ist schon deutlich zu erkennen. Schräge Wände ragen in die Lüneburger Luft, vielfältige geometrische Figuren durchbrechen die Betonwände dort, wo später die Fenster Licht in den Universitätsbau lassen. Lange Zeit war der spektakuläre wie teure Neubau der Leuphana-Universität Lüneburg nur Gegenstand von Diskussionen, Vorwürfen und Streit. Nun wird er langsam Realität. Am Montag feiert die Uni als Bauherr gemeinsam mit rund 700 Gästen Richtfest.

In den vergangenen Monaten hätten die Bauarbeiten an Tempo gewonnen, sagt Daniel Haarmann. Der Berliner Architekt ist beauftragt, den Libeskind-Entwurf umzusetzen, und hat Planung und Koordinierung des Baus übernommen. „Beim Forschungszentrum haben wir zuletzt vier bis fünf Wochen pro Etage benötigt. Damit können wir sehr zufrieden sein. Dort fehlen nur noch die siebte Etage und das Dach“, sagt Haarmann.

Das Forschungszentrum bildet einen von vier Teilen des Gebäudes mit insgesamt 13 000 Quadratmeter Nutzfläche. Dazu kommen ein Studierenden- und ein Seminarzentrum sowie das Auditorium Maximum, in dem rund 1200 Menschen Platz finden werden. Der Baufortschritt ist unterschiedlich: Während beim Studierendenzentrum nur noch das Dach fehlt und beim Audimax bereits der Rohbau fertig ist, muss das Seminarzentrum noch komplett gebaut werden. „Wir rechnen aber damit, dass das sehr schnell gehen wird“, betont der Architekt. „Es ist nur noch eine Frage von Wochen, bis wir mit dem Innenausbau beginnen können“, sagt der Sprecher der Leuphana, Henning Zühlsdorff.

Ein solcher Bau sei anders als noch vor zehn Jahren bautechnisch Routine, erläutert Haarmann. Zumal der Komplex im Inneren einem ganz normalen Bürogebäude gleicht, mit geraden Wänden und ebenen Fußböden. Nur die Außenwände und die Fenster sowie die futuristische Außenfassade aus Titanzink geben dem Gebäude am Ende seinen architektonischen Reiz.

Die Universität rechnet damit, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. „Es ist vorgesehen, dass der Bau bis Ende 2016 fertiggestellt wird“, sagt Zühlsdorff. Ursprünglich sollte er allerdings schon 2014 eröffnet werden. Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic hingegen sieht nicht so optimistisch in die Zukunft. Der Zeitplan sei „ambitioniert und nach wie vor kritisch“, sagt die Grünen-Politikerin. „Dass die Leuphana trotz aller Schwierigkeiten jetzt das Richtfest für das Zentralgebäude feiern kann, zeigt, dass sich die gemeinsamen Anstrengungen um Verbesserungen gelohnt haben“, so Heinen-Kljajic. Es habe sich als richtig erwiesen, einen externen Projektmanager und einen Controlling-Beirat einzusetzen und die Wirtschaftlichkeit durch das Wissenschaftsministerium prüfen zu lassen.

Über die Finanzierung war in der Vergangenheit ein erbitterter Streit ausgebrochen. Ursprünglich sollte das neue Zentralgebäude rund 58 Millionen Euro kosten, heute geht die Leuphana von 72,3 Millionen Euro aus. Doch der Landesrechnungshof und die Oberfinanzdirektion halten auch diesen Ansatz für zu niedrig. Sie gehen von Kosten in Höhe von 92 Millionen Euro aus und rechnen im schlimmsten Fall sogar mit einem Betrag in dreistelliger Millionenhöhe. Auch Heinen-Kljajic könne „mit Verweis auf die Risikobetrachtung Mehrkosten beim Weiterbau nicht ausschließen“. Ob und in welcher Höhe Kostensteigerungen eintreten werden, bleibe abzuwarten. „Die Finanzierung ist gesichert, auch für mögliche Risiken hat die Universität Vorsorge getroffen“, betont Unisprecher Zühlsdorff. Vorwürfen, die gestiegenen Kosten könnten zulasten von Forschung und Lehre gehen, tritt er entschieden entgegen. „Das wird nicht der Fall sein.“

Die Kosten sind auf mehrere Schultern verteilt. Das Land übernimmt 21 Millionen Euro, Stadt und Landkreis Lüneburg 7 Millionen, 3,4 Millionen Euro der Bund und rund 14 Millionen die EU. Damit das Geld aus Brüssel fließt, müssen allerdings bis Ende 2015 80 Prozent der Bausumme abgerufen werden. Das Geld, das die Uni investiert, stamme „aus der Verwertung von Liegenschaften, der Vermietung von Veranstaltungsflächen und Rücklagen“. So plane die Uni, Räumlichkeiten wie den großen Hörsaal als Veranstaltungssaal zu vermieten.

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