Zugunglück mit zehn Toten

Lokführer steht vor Gericht

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Am Montag beginnt der Prozess gegen den Lokführer des Unglückzugs. Der 41-Jaehrige muss sich wegen fahrlässiger Tötung in zehn Fällen, fahrlässiger Körperverletzung in 22 Fällen sowie Gefährdung des Bahnverkehrs verantworten.

Hordorf/Magdeburg - Zehn Menschen starben im Januar 2011 bei dem Zusammenstoß zweier Züge in der Magdeburger Börde. Jetzt ist der Unfall Thema vor Gericht.

Mit einem der schwersten Bahnunglücke in Deutschland der vergangenen Jahre beschäftigt sich vom kommenden Montag (8. Oktober) an das Landgericht Magdeburg. Im dichten Nebel starben Ende Januar 2011 zehn Menschen bei dem Frontalzusammenstoß eines Güterzuges mit einer Regionalbahn in der Magdeburger Börde nahe Hordorf (Sachsen-Anhalt). 23 Menschen wurden verletzt. Nun muss sich der 41 Jahre alte Lokführer des Güterzuges wegen fahrlässiger Tötung in zehn Fällen, fahrlässiger Körperverletzung in 22 Fällen sowie Gefährdung des Bahnverkehrs verantworten. Er soll Haltesignale übersehen haben.

Am 29. Januar 2011 war der Güterzug auf eingleisiger Strecke mit einer Regionalbahn des Harz-Elbe-Expresses (HEX) zusammengestoßen. Unter den zehn Todesopfern waren auch der HEX-Lokführer und eine Zugbegleiterin. Der Güterzugfahrer wurde bei dem Unglück verletzt.

Für den Prozess sind vorerst fünf Verhandlungstage anberaumt. Nach dem Verlesen der Anklage soll der 41-Jährige am ersten Prozesstag die Gelegenheit erhalten, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Zeugen sollen vom zweiten Verhandlungstag an gehört werden - bislang sind laut Gericht 29 geladen.

Bei dem Prozess wird es nicht nur auf den Zuschauerrängen eng - im Verhandlungssaal werden so viele Menschen sitzen wie selten. Neben Staatsanwaltschaft und Angeklagtem wird es nach Angaben des Gerichtssprechers 17 Nebenkläger geben, die von zehn Rechtsanwälten vertreten werden. Hinzu kommen eine Rechtsmedizinerin und ein technischer Sachverständiger.

Nach dem Zugunglück von Hordorf war länger darüber diskutiert worden, dass auf der eingleisigen Strecke noch kein automatisches Bremssystem für Züge installiert worden war. Die Vorrichtungen bringen Züge, die ein Haltesignal überfahren haben, zum Stoppen. In Ostdeutschland allerdings gab es zu dem Zeitpunkt noch viele Strecken ohne ein solches automatisches Bremssystem. Einem Untersuchungsbericht der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes zufolge hätte es das Unglück verhindern können. Vier Monate nach dem Unfall wurde die Unglücksstrecke bei Hordorf nachgerüstet.

Als eine Konsequenz aus dem Zugunglück müssen alle Zugstrecken in Deutschland bis spätestens 2014 mit Notbremssystemen ausgestattet sein. Eine entsprechende Verordnung erließ das Bundesverkehrsministerium etwa ein Jahr nach dem Unglück.

dpa

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