Nationalpark Harz

Luchs kommt, Klappe zu

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Um den ausgewilderten Luchsen im Nationalpark Harz künftig noch näher sein, sollen künftig mehr Tiere mit GPS-Sendern ausgestattet werden.

Bad Harzburg - Dichter daran am Luchs: Um den ausgewilderten Luchsen im Nationalpark Harz künftig noch näher sein, sollen künftig mehr Tiere mit GPS-Sendern ausgestattet werden. Eine spezielle Kastenfalle soll das Einfangen erleichtern.

Die Nationalparkverwaltung Harz will mit einer verbesserten technischen Ausrüstung die Erforschung der ausgewilderten Luchse vorantreiben. Künftig sollen noch mehr Luchse mit Sendehalsbändern ausgestattet werden, um weitere Erkenntnisse über die Lebensweise und Verbreitung der sogenannten Pinselohren gewinnen zu können. „Wir brauchen zum Beispiel noch mehr Daten darüber, wie groß der Nahrungsbedarf der Luchse ist“, sagte am Montag der Leiter des Luchsprojekts, Ole Anders, bei der Vorstellung einer speziellen Kastenfalle zum Einfangen der Luchse in Bad Harzburg. Außerdem verfügt das Projektteam jetzt über ein neues „Luchsmobil“, mit dem die Luchsfalle auch bei Eis und Schnee schnell zum Einsatzort transportiert werden kann.

Der speziell für den Transport der Luchsfalle konzipierte Pickup wurde von der Klara-Samariter-Stiftung aus Heiligenhafen finanziert, die Natur- und Tierschutzprojekte in Norddeutschland unterstützt. Die Mitarbeiter des Luchsprojekts werden damit vorwiegend nachts unterwegs sein, und zwar immer dann, wenn ein Jäger oder Förster beispielsweise ein gerissenes Reh entdeckt hat, das vermutlich von einem Luchs erjagt wurde. „Wenn bei mir das Handy klingelt, muss alles sehr schnell gehen“, erläuterte Projektleiter Ole Anders. So rasch wie möglich muss er dann seine Spezialausrüstung an den Ort bringen, wo der Luchsriss gefunden wurde: „Wir haben nur ein kleines Zeitfenster. Die Falle muss aufgebaut sein, bevor der Luchs zu seiner Beute zurückkehrt.“

Die Kastenfalle wird dann im Eiltempo zusammengeschraubt und der Luchsriss so darin deponiert, dass die Falle zuschnappt, wenn ein Tier sich der Beute nähert. Nachdem sie auch noch einen Satellitensender an der Falle befestigt haben, treten die Projektmitarbeiter sofort den Rückweg an. Sobald ein Tier in die Falle geht und sich die Klappe schließt, übermittelt der Sender per SMS ein Alarmsignal. Dann machen sich die Mitarbeiter des Luchsprojekts gemeinsam mit einem Tierarzt wieder auf den Weg. Befindet sich tatsächlich ein Luchs in der Falle, wird er mit einem Blasrohr narkotisiert und einem Gesundheitscheck unterzogen. Danach bekommt er einen Halsbandsender umgelegt und wird anschließend wieder in die Freiheit entlassen. Das GPS-Halsband gibt alle zwölf Stunden ein Positionssignal ab, sodass das Projektteam ständig verfolgen kann, wo sich der Luchs befindet.

Dank der Telemetrie habe man bereits viele neue Erkenntnisse über die Luchse gewonnen, sagte Anders. So habe man inzwischen anhand der Senderdaten und der Auswertung von Fotofallen genaue Informationen darüber gewonnen, welche Reviere die einzelnen Luchse haben. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass drei Luchse ein bestimmtes Harzgebiet unter sich aufgeteilt haben. Derzeit sind drei männliche Tiere und ein weiblicher Luchs mit Sendern ausgestattet. Jetzt hoffen die Luchsexperten, mit Hilfe der neuen Ausrüstung möglichst viele weitere Tiere einfangen und mit GPS-Sendern bestücken zu können.

Heidi Niemann

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