Männerhaus in Osterode öffnet

Wo Männer Schutz vor Gewalt finden

Mit diesem Bild auf einem Faltblatt wendet sich der Osteroder Verein „Gleichstark“ an betroffene Männer.

Osterode - „Und was ist mit den Männern?“ Diese Frage bekamen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses in Osterode immer wieder zu hören. Jetzt können sie eine Antwort geben. Mit dem Verein Gleichstark haben sie das Selbsthilfeprojekt Männerhaus Harz geschaffen, einen Schutzraum vor häuslicher Gewalt.

Der Altbau in Osterode soll nächste Woche bezogen werden. Es ist das erste öffentlich geförderte Männerhaus Deutschlands und das dritte überhaupt. „Die Hemmschwelle für Männer ist deutlich größer, von Schlägen ihrer Partnerin zu erzählen“, sagt Daniel Koppe, Sozialarbeiter im Männerhaus. Das Dunkelfeld ist jedoch groß, wie gerade eine von der Landesregierung vorgestellte Studie gezeigt hat. Dort hatten 6,1 Prozent der in Partnerschaft lebenden Männer berichtet, im Jahr 2012 Opfer von häuslicher Gewalt geworden zu sein. Die meisten von ihnen erzählten von Demütigungen und anderen psychischen Verletzungen durch ihre Frauen, 2,5 Prozent von körperlicher Gewalt.

Im Männerhaus Osterode, dessen Adresse zum Schutz der Bewohner geheim gehalten wird, finden vier Männer Platz; sie können ihre Kinder mitbringen. Der Aufenthalt soll höchstens sechs Monate dauern – Zeit, zur Ruhe zu kommen, und Zeit, sich psychologisch, rechtlich und wirtschaftlich beraten zu lassen.

Das Besondere am Osteroder Modell: Auch Männer, die selbst zu Tätern geworden sind, dürfen ins Männerhaus einziehen, nachdem sie ein Regelwerk zur Gewaltfreiheit unterschrieben haben. „Das ist für uns ein Stück des Experiments“, sagt Koppe. In jedem Täter stecke auch „ein Stück Opfer“. Ziel sei es, dass alle voneinander lernen.

Den Landkreis hat das Konzept so überzeugt, dass er einen Zuschuss bewilligt hat, zunächst 25 000 Euro. „Wir sehen das als Sozialhilfeprojekt und sind in Niedersachsen als Erste am Start“, sagt ein Sprecher. Eine besondere Häufung häuslicher Gewalt ist am Harzrand im Übrigen nicht zu beobachten. Das Haus richtet sich an Betroffene im weiten Umkreis.

Das gilt auch für eine „Notfallwohnung“, die 2002 in einem Reihenhaus in Oldenburg eingerichtet wurde. „Die Wohnung ist durchgehend belegt“, sagt Walter Dinninghoff, Vereinsvorsitzender der Männerwohnhilfe. Täglich riefen Männer aus dem ganzen Bundesgebiet an und oft auch Beraterinnen aus Frauenhäusern. „Bei denen haben sich Männer gemeldet, die nicht wissen, wohin.“ Die von einer Wohnungsbaugesellschaft zur Verfügung gestellte 70-Quadratmeter-Wohnung steht Männern in Krisen- und Trennungsphasen bis zu drei Monate lang zur Verfügung.

Demütigungen durch die Partnerin hätten alle Bewohner erlebt, sagt Dinninghoff. Ein Teil von ihnen berichtet von physischem „Ausrasten“. So erzählt ein ehemaliger Bewohner, seine Partnerin habe immer wieder mit Fäusten auf ihn eingehämmert. Ein anderer berichtet, seine Frau habe vor den Kindern eine Tasse Kaffee auf ihn geworfen und später versucht, ihn mit dem Auto anzufahren. Jetzt sei die Trennung endgültig.

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