Prozessauftakt in Baden-Baden

Mann vergewaltigt 81-Jährige im Altenheim

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In einer der Wohnungen hatte der Angeklagte die Bewohnerin in seiner Gewalt gehabt und sexuell missbraucht.

Baden-Baden - Eine hilflose alte Frau. Ein gefrusteter, vorbestrafter Gewalttäter. Eine beispiellos grausame Tat. In Baden-Baden wird über die Vergewaltigung einer 81-Jährigen verhandelt. Sie war nicht das erste Opfer des Angeklagten.

Gedemütigt, missbraucht und bis aufs Blut gequält - ein 46 Jahre alter Mann steht wegen Geiselnahme und Vergewaltigung einer 81-jährigen Frau vor dem Baden-Badener Landgericht. Der Angeklagte soll die gehbehinderte Seniorin aus Frust und Rache an seiner Lebensgefährtin im Juni überfallen, mehr als 24 Stunden in der Wohnung ihres Rastatter Altenheims festgehalten und ihr ein unvorstellbares Martyrium bereitet haben. Als Motiv wird Wut und Rachsucht vermutet. Der Mann soll Streit mit seiner damaligen Lebensgefährtin gehabt und daraufhin sein Opfer gezielt aufgesucht haben: Die Seniorin ist die Tante seiner Ex-Freundin.

Er ist einschlägig vorbestraft, wie es am Dienstag zum Prozessauftakt hieß: Als Jugendlicher hatte er bereits wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs einer 80-Jährigen jahrelang im Gefängnis gesessen, berichtete ein Sachverständiger. Der Angeklagte selbst verweigerte jede Aussage zu seiner Person und seiner angeblichen Tat. Grausame Details kamen zum Prozessbeginn ans Licht: Danach soll der 46-Jährige der hilflosen und zu Tode verängstigten Frau die Lippe blutig geschlagen, ihre Kleider mit einem Klappmesser zerschnitten und ihr mit einem Kissen die Luft abgeschnürt haben. Mehrfach habe er sie missbraucht und über Stunden immer wieder mit dem Tod bedroht, hieß es weiter.

Bei ihrer Vernehmung, die im Juli per Video aufgezeichnet und am Dienstag im Gerichtssaal gezeigt wurde, berichtete die klar und zunächst sehr gefasst wirkende Frau von den Geschehnissen. „Das war kein Mensch mehr“, sagte sie mit stockender Stimme. „Es war widerlich.“ Der Mann habe sie immer und immer wieder zu sexuellen Handlungen genötigt, zu Boden geschleudert und mit Erwürgen gedroht. „Ich hatte mit meinem Leben abgeschlossen.“

Auch soll der alkoholkranke und zur Tatzeit betrunkene 46-Jährige sein Opfer gefoltert, geschüttelt und grob getreten haben. Als die Polizei eintraf, war der Körper der 81-Jährigen mit Hämatomen übersät und zwei Rippen waren gebrochen. Die Seniorin ist laut ärztlichem Gutachten heute schwer traumatisiert. Der Angeklagte saß völlig regungslos und in sich zusammengesunken alleine auf der Anklagebank. Blickkontakt suchte er zu niemandem.

Sein Opfer konnte erst am nächsten Tag nackt und mit Hilfe ihres Rollators zu einer Zimmernachbarin flüchten: Ihr Peiniger war betrunken eingeschlafen. Zwei Fluchtversuche hatte der Mann zuvor vereitelt und die 81-Jährige mit einem Klappmesser und den Worten: „Guck' meine Hände an, damit kann ich Dich kaltmachen“ bedroht. Als die Frau über Hunger klagte, sagte er zu ihr laut Anklage: „Du brauchst in Deinem Leben überhaupt nichts mehr zu essen.“

Für den Prozess sind zwei weitere Verhandlungstage vorgesehen; ein Urteil wird für den 16. Dezember erwartet. Dem Mann drohen zwischen 5 und 15 Jahren Haft.

dpa

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