Braunschweig

Mann wegen Mord an Ex-Freundin vor Gericht

Braunschweig - Das Leiden zieht sich über Wochen: Eine 64-Jährige aus Wolfsburg soll zweimal vergewaltigt und schließlich grausam ermordet worden sein. Nun steht ihr ehemaliger Partner vor Gericht.

Nach dem Martyrium einer getöteten 64-Jährigen hat am Landgericht Braunschweig der Prozess gegen ihren Ex-Freund begonnen. Der 65 Jahre alte Braunschweiger muss sich seit Montag wegen Mordes und zweifacher Vergewaltigung verantworten. Er soll seit mehreren Jahren eine Beziehung mit dem Opfer gehabt haben.

Die Frau war im März mit massiven Stichverletzungen im Gesicht vor ihrer Wolfsburger Wohnung gefunden worden. „Das war eines der von meiner Empfindung her grausamsten Dinge, die ich je erlebt habe“, sagte ein altgedienter Polizist, der kurz nach dem Gewaltverbrechen am Tatort eingetroffen war, dem Gericht. Die Frau sei so zugerichtet gewesen, dass Erste-Hilfe-Maßnahmen nur schwer möglich gewesen seien. „Im Kopfbereich konnte man nichts machen. Wo sollte man anfangen, wo sollte man aufhören?“, sagte der Beamte. Eine solche Tat sei nur mit enormem Hass möglich.

Ein psychiatrischer Gutachter beschrieb den Angeklagten als einen einfachen Mann mit vielen Problemen, der nicht wirklich lesen und schreiben könne. „Er hat es aber immer irgendwie geschafft, sich da durchzulavieren“, sagte der Gutachter. Seit gut 20Jahren habe der Angeklagte nicht mehr richtig gearbeitet und sein Geld nach eigenen Angaben oft verspielt. Seine Freundin habe sich aber um ihn gekümmert, Wäsche gewaschen und die Finanzen verwaltet.

Laut Anklage hatte die getötete Frau die Beziehung zu dem mutmaßlichen Täter Anfang des Jahres lockern wollen und ihm Besuche in ihrer Wohnung untersagt. Der 65-Jährige habe die Frau dann unter der Androhung, sie und ihre Familie zu erschießen, im Januar vergewaltigt. Rund dreiWochen später sei es zu einer weiteren Vergewaltigung gekommen. Im März soll sich der Mann entschlossen haben, die Frau zu töten. Das Motiv: Er habe es nicht mehr für möglich gehalten, die Beziehung fortzusetzen.

Die Anklage wirft ihm vor, der 64-Jährigen vor derenWohnung aufgelauert und sie dann heimtückisch und grausam umgebracht zu haben. Er habe hauptsächlich ihr Gesicht malträtiert und dabei einAuge durchstochen. Die Frau soll auf demWeg zu ihrer Wohnung noch mit ihrem Vater telefoniert haben. Ob dieser am Telefon die Tat mitverfolgen musste, blieb zunächst unklar.

Die Frau starb am Tag nach der Attacke an ihren massiven Schnitt- und Stichverletzungen. Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht. Das Gericht setzte insgesamt sechs Verhandlungstage an.

dpa

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