Rätsel um US-Nachwuchsfootballer

Manti Te’o und seine mysteriöse tote Freundin

Washington - Manti Te’o gilt als eines der größten Talente im millionenschweren amerikanischen College-Football. Dann sterben fast gleichzeitig seine Großmutter und seine Freundin. Die USA sind gerührt - doch nun kommt heraus, dass Te’os Freundin nie existiert hat.

Manti Te’o galt in den USA als Held, seine Geschichte hat die Nation zu Tränen gerührt. Doch jetzt stellt sich heraus, dass eines der größten Football-Nachwuchstalente des Landes im Mittelpunkt eines mysteriösen Skandals steht. Te’o wird verdächtigt, der Öffentlichkeit eine Lügengeschichte aufgetischt zu haben, um seine Reputation und nicht zuletzt seine Profikarriere positiv zu beeinflussen.

Rückblick: Im September sterben innerhalb weniger Stunden Te’os Großmutter und seine Freundin. Drei Tage später führt der 21-Jährige das College-Team der traditionsreichen Universität Notre Dame aus dem US-Bundesstaat Indiana mit einer überragenden Leistung zum 20:3-Sieg gegen Michigan State. Die Amerikaner erfreuen sich an einer ihrer heißgeliebten Heldengeschichten. Nun stellt sich heraus: Te’os große Liebe war vermutlich nichts mehr als ein Online-Profil. Die Nation rätselt nun, ob ihr Held Täter oder Opfer ist.

Bisher lautete die offizielle Version, dass Te’os vermeintliche Freundin, Lennay Kekua, am 12. September kurz nach dem Tod von Te’os Großmutter an Leukämie gestorben sei. Am Mittwoch deckte die Webseite deadspin.com auf, dass es von Kekua weder Dokumente bei der Sozialversicherung, noch Todesanzeigen oder Nachrufe gibt. An der Universität Stanford solle sie zwar ihren Abschluss gemacht haben - doch dort sei eine Lennay Kekua nie eingeschrieben gewesen.

Te’o selbst räumte Stunden später in einem Statement ein, dass er die Frau nur online getroffen habe. Persönlich sei er der Frau nie begegnet, er habe aber trotzdem eine emotionale Bindung zu ihr aufgebaut. Er selbst sei „Opfer eines kranken Witzes und ständiger Lügen“ geworden, schreibt der Footballer weiter. Persönlich hörten die US-Medien bis Donnerstagnachmittag (Ortszeit) von ihm nichts. Er bereite sich auf die NFL-Draft, bei der Nachwuchsspieler von den Profiteams angeheuert werden, vor, hieß es in seinem Pressestatement.

Die Nation rätselt nun darüber, wie der Mann mit einer Frau telefoniert haben will - so wie er es behauptet - wenn sie gar nicht existiert. Nächtelang habe er mit ihr über ihre Leukämieerkrankung gesprochen, hatte Te’o der „Sports Illustrated“ zu Protokoll gegeben. Laut „USA Today“ hat er sogar behauptet, sie 2009 getroffen und ihre Hand gehalten zu haben.

Für die Uni ist klar, dass Te’o Opfer statt Täter ist. „Dieser Scherz hatte eine ziemliche Grausamkeit in seinem Kern“, sagt Sportdirektor Jack Swarbrick. Warum Te’o jedoch den Medien immer wieder von einer nicht-existierenden Freundin erzählt hat, solle er selbst erklären.

Könnte gute PR der Grund sein? „Wir wissen, dass es ein Scherz war, die einzige Frage ist aber, was genau Manti darüber wusste“, zitiert die „USA Today“ einen der Aufklärer von deadspin.com. Auf dem Sportsender ESPN erklärte ein Kommilitone, er sei sich „zu 80 Prozent sicher“, Te’o habe es mit dem Tod seiner angeblichen Freundin auf Publicity abgesehen.

Dieser Verdacht liegt nahe. Football ist der beliebteste TV-Sport in den USA, und bereits beim Collegefootball geht es um Millionen. Die rührselige Geschichte des Supertalents Te’o gab gute Quoten. Ob Te’o den Fall inszeniert hat oder ob er einem üblen Scherz zum Opfer gefallen ist, kann sich erst klären, wenn die wahre Identität von Lennay Kekua entlarvt wird.

dpa

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