Neue Biografie sorgt für Diskussionen

Die Marotten des Charles

London - Angeborene Unsicherheit und eine ambivalente Persönlichkeit: Die Biografie der US-Journalistin Catherine Mayer über den englischen Prinzen sorgt erneut für Diskussionen um die Rolle von Prinz Charles als künftiger König von Großbritannien.

Am Abend des 28. Juli 1981 packte ihn die schiere Verzweiflung. „Ich kann das nicht durchziehen“, sagte der junge Prinz Charles zu einem Freund. Er befürchtete, einen Fehler zu begehen. Es war der Abend vor der Hochzeit mit Lady Diana Spencer. Auch sie sollen Zweifel beschlichen haben, nachdem sie ein Armband gefunden hat, das der Thronfolger für seine heutige Ehefrau Camilla Parker Bowles gekauft hatte. „Ich kann das nicht tun“, sagte Diana zu ihren Schwestern. Die beiden heirateten.

Wie die Geschichte ausging, ist in aller Welt bekannt. Neuigkeiten wie diese jedoch will nun die US-Journalistin Catherine Mayer herausgefunden haben. Ihre Biografie „Charles: The Heart of a King“ (Charles: Das Herz eines Königs) erscheint am Donnerstag im Vereinigten Königreich und sorgt schon Tage zuvor für kontroverse Diskussionen. Das Buch bringt zwar keineswegs Skandale ans Licht. Die vorab veröffentlichten Auszüge zeichnen dennoch kein schmeichelhaftes Bild des 66-Jährigen. So sei das Leben im Clarence House, seiner Residenz, bestimmt durch Revierkämpfe, die auch durch Charles’ mangelndes Managementverständnis ausgelöst würden.

Das Buch beruht auf Interviews

Mayer schreibt, er wähle seine Berater „nicht immer weise“, sondern umgebe sich allzu sehr mit Menschen, die ihm sagten, was er hören wolle. Er wisse oft nicht, wem er vertrauen könne. Ein Grund dafür, so hätten ihre Recherchen ergeben, sei seine „angeborene Unsicherheit“. Er, der von seinen Mitarbeitern angeblich „Boss“ genannt werde und sowohl zu ihnen als auch vor allem zu seinem Vater, Prinz Philip, ein schwieriges Verhältnis habe, glaube nicht immer, „dass er das Lob verdient hat, das ihm gezollt wird, während ihn Kritik zur Verzweiflung bringen kann“. Das Buch beruht nach eigenen Angaben auf Interviews mit Charles sowie mit Freunden, Mitarbeitern und Kritikern und beschreibt oft anekdotenhaft den Charakter des Prinzen. Etwa, wie es der überzeugte Biobauer stets vermeidet, Essen wegzuwerfen. Vielmehr würden übrig gebliebene Mahlzeiten in Frischhaltepackungen aufbewahrt und kämen am nächsten Tag erneut auf den Tisch. Die Biografie ist trotzdem nicht offiziell autorisiert worden. „Die Autorin hatte nicht den von ihr behaupteten Zugang“, sagte die Sprecherin des Prinzen, Kristina Kyriacou. Vertrauten des Königshauses zufolge seien die Behauptungen in der Biografie „nicht hilfreich“.

Sie würden Charles Eignung als zukünftigen König in Frage stellen, heißt es in britischen Medien. Dabei habe Queen Elizabeth II. völliges Vertrauen in die Fähigkeiten ihres ältesten Sohnes. Doch über seine Zukunft streiten sich seit Jahren Kritiker und Befürworter des Königshauses. Prinz Charles äußert sich gerne zu außerroyalen Angelegenheiten, die ihm am Herzen liegen, wie etwa Umwelt- und Architekturthemen. Und wolle sich, so wurden in Medien Stimmen laut, auch vom Thron aus weiterhin einmischen. Es ist ein heikles Thema, denn seine Rolle als Thronfolger gebietet Neutralität. Seine Mutter hält sich strikt an dieses Credo und aus der Politik heraus. Catherine Mayer schreibt in ihrem Buch, er, mit seinen „leidenschaftlichen Ansichten“, werde nie so distanziert und unparteiisch sein, wie die derzeitige Regentin.

Seiner Zeit gleichzeitig hinterher und voraus

Vielmehr stecke ihn ihm eine „ambivalente Persönlichkeit“, stets bestrebt, „eine ramponierte Welt wieder in Ordnung zu bringen“. Auch deshalb hat der Prinz von Wales unter anderem mehr als 25 Wohltätigkeitsorganisationen gegründet. „Er ist gleichzeitig seiner Zeit hinterher und seiner Zeit voraus - mit Sicherheit lebt er aber nicht in seiner Zeit“, zitiert Mayer einen Bediensteten von Charles. Ein langjähriger Mitarbeiter des Prinzen widerspricht dieser Darstellung: „Er ist ein ernsthaft denkender Mensch und weiß wie kein anderer, was von ihm als König erwartet wird.“ Charles verstehe und schätze wie seine Mutter die Bedeutung von Werten wie Kontinuität und Tradition. Auch wenn er seinen eigenen Stil auf dem Thron pflegen werde. Wie dieser aussieht, wird bei all den Diskussionen wohl erst die Zukunft lehren.

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