Kindesmörder

"Maskenmann" siegt vor dem BGH

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Der wegen dreifachen Kindermordes angeklagte Martin N. (M.) wird am Montag (10.10.11) in Stade vor Beginn des Prozesses in Handschellen in einen Verhandlungssaal des Landgerichts gebracht und haelt sich dabei einen Ordner vor sein Gesicht. Unter strengen

Karlsruhe - Die Sicherungsverwahrung bleibt ihm erspart: Der als "Maskenmann" bekannt gewordene dreifache Kindesmörder und dutzendfache Missbrauchstäter, Martin N., ist erfolgreich gegen das Urteil des Landgerichts Stade vorgegangen.

Das Landgericht Stade hatte Martin N. im Februar 2012 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, die besondere Schwere der Schuld festgestellt und zusätzlich die Sicherungsverwahrung angeordnet.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seinem Urteil vom 10. Januar die Anordnung zur Sicherungsverwahrung nun aufgehoben. Der 3. Strafsenat stellte fest, dass der 42-jährige Martin N. schon durch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, „länger als die Mindestverbüßungszeit von 15 Jahren und möglicherweise bis an sein Lebensende in Strafhaft bleibt“. Durch eine zusätzliche Anordnung der Sicherungsverwahrung könnte „kein zusätzlicher Gewinn für die Sicherheitsbelange der Allgemeinheit“ erzielt werden, so die Richter.

Die lebenslange Freiheitsstrafe von Martin N. „wird auch in etwa 20 Jahren nicht zur Bewährung ausgesetzt werden können, wenn der Angeklagte dann noch gefährlich ist“, so der BGH. Nur wenn sich herausstellte, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht, würde er aus der Haft entlassen.

Der BGH verweist in seiner Begründung auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von Mai 2011, wonach die Sicherungsverwahrung nur dann zulässig ist, wenn sie für die Sicherheit der Allgemeinheit unerlässlich ist. Eine solche Unerlässlichkeit liege in diesem Fall nicht vor.

Christian Esche, der Verteidiger von Martin N., begrüßte das Urteil auf Nachfrage dieser Zeitung. Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts habe der BGH gar nicht anders entscheiden können.

Auch Johanna Dreger-Jensen, Anwältin der Familie von Stefan J., den Martin N. 1992 ermordete, zeigte sich von dem BGH-Urteil nicht überrascht. „Aus genau diesem Grunde habe ich in meinem Plädoyer die Anordnung der Sicherungsverwahrung auch nicht gefordert“, sagte die Anwältin.

Das Urteil ist nun rechtskräftig.

Es war einer der aufsehenerregendsten Fälle der vergangenen Jahrzehnte. Ganz Norddeutschland fürchtete den „Maskenmann“. Martin N. schlich über Jahre nachts maskiert in Schullandheime, Internate und Wohnhäuser, um Jungen zu missbrauchen.

Drei Kinder überlebten die Begegnung mit ihm nicht. 1992 erwürgte Martin N. den 13-jährigen Stefan J., 1995 den achtjährigen Dennis R. und 2001 den neun Jahre alten Dennis K.

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