„Niedersachsens tapferste Erzieherin“

McAllister ehrt rettende Erzieherin

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Sie ist „Niedersachsens tapferste Kindergärtnerin“: Ina König in Begleitung von David McAllister.

Oldendorf - Sie vertraute ganz einfach der Feuerwehr: Ministerpräsident McAllister ehrte am Montag die Erzieherin Ina König, die in einen Schacht sprang, um einen kleinen Jungen zu retten.

Sie ist einfach gesprungen, als der kleine Jannic mir nichts, dir nichts im Schacht verschwand. Ohne mit der Wimper zu zucken, in den tiefen Schacht. Und dafür wird Ina König, „Niedersachsens tapferste Erzieherin“, wie ihre Chefin sagt, an diesem Montag geehrt. Darum stehen an diesem Spätnachmittag vor dem Kindergarten in Oldendorf Polizei- und Protokollbeamte herum, Übertragungswagen und mehrere Dutzend Reporter sowie ein Pastor, ein Landrat, eine Superintendentin und ein Ministerpräsident – so ziemlich alles, was Niedersachsen an Honoratioren zu bieten hat.

Und alle wirken sie glücklich, glücklich über Ina König, die so schnell spricht, dass man verstehen kann, dass sie keine langen Reden mag. Obwohl sie das Herz am rechten Fleck hat.

David McAllister, der Ministerpräsident, lässt gewöhnlich den Innenminister die Niedersächsische Rettungsmedaille an beherzte Retter aushändigen. „Aber in diesem Fall wollte ich es selbst tun, weil ich wie viele Menschen in Deutschland beeindruckt war.“ Über das Handeln ohne zu zögern.

25 Meter tief ist jener dunkle Schacht, in dem der kleine Jannic am Montag vor drei Wochen im Osterwald verschwand – im Lichtschacht eines ehemaligen Bergwerks. Und die Erzieherin Ina König, 38 Jahre alt und selbst Mutter zweier Kinder, sprang beherzt hinterher. Nicht ohne vorher ihre Chefin zu ermahnen, noch schnell die Feuerwehr zu rufen, wie sie gestern in ihrer kurzen Dankesrede versicherte. „Ich wusste, dass ich der Feuerwehr vertrauen kann.“ Oft sei sie gefragt worden, woran sie denn gedacht habe, in jener Stunde im dunklen Schacht. „Ich war froh, den Jannic so schnell in die Arme nehmen zu können, und ich habe an meinen Mann und meine zwei Kinder gedacht“, sagt sie noch. Dann bedankt sie sich bei der Feuerwehr für die tatkräftige Hilfe und bei der Presse dafür, dass sie ihre Privatsphäre habe bewahren können. „Für weitere Anfragen stehe ich nicht zur Verfügung.“

Dafür sprechen noch die Superintendentin und der Pastor, schließlich ist der Kindergarten, in dem Ina König seit acht Jahren arbeitet, ein kirchlicher.

Superintendentin Katharina Henking überreicht ihr ein Buch vom Landesbischof sowie als „virtuelles Geschenk“ eine Woche Sonderurlaub. Pastor Wilhelm Meissner ruft noch einmal das „Wechselbad der Gefühle“ in Erinnerung, dass die Kinder und ihre Erzieherinnen erlebt hätten. Und eine Dame von einem Kinderhilfswerk einer großen Boulevardzeitung überreicht einen Scheck über 10 000 Euro an den Kindergarten mit den Worten „da müsste doch ein Baumhaus drin sein“.

Es sei „schön, dass die tapferste Kindergärtnerin Niedersachsens in meinem Team ist“, sagt die Leiterin des Kindergartens, Susanne Schüler. Heute fängt sie, die keine großen Worte macht, wieder ihre normale Arbeit an. Und hofft, keine Reporter mehr zu sehen.

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