Filmfestspiele in Cannes

Mehr Frauenpower!

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Foto: Cate kann's: Schauspielerin Cate Blanchett bei ihrer Ankunft auf dem roten Teppich in Cannes.

Cannes - Von wegen nur Dekoration: Die Regisseurinnen spielen in diesem Jahr eine größere Rolle bei den Filmfestspielen.

Roter Teppich oder Goldene Palme? Lange Zeit fühlten sich Filmemacherinnen in Cannes unterrepräsentiert, Schauspielerinnen zur Dekoration degradiert. Doch in diesem Jahr sitzt mit der Regisseurin Jane Campion eine Frau der Jury vor – und hat weitere Kolleginnen an ihrer Seite.

Vor zwei Jahren noch hatte sich die deutsche Nachwuchsfilmerin Isabell Suba über die übersexualisierten Zustände so sehr geärgert, dass sie vor Ort den Film „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“ drehte. Das semidokumentarische Schelmenstück gibt Einblicke in den Kosmos Cannes.

Fazit der Regisseurin: „Rambazamba auf Stöckelschuhen“. Ihren Guerillafilm hat sie später in Cannes eingereicht, er wurde leider abgelehnt. Im Vorjahr nominierte Festivalchef Thierry Frémaux dann einen einzigen von einer Frau gedrehten Film, und der langweilte so sehr, dass man versucht war, Frémaux Hinterlist zu unterstellen. Dieses Jahr laufen immerhin zwei Filme von Regisseurinnen im Wettbewerb – unter 16 Männerfilmen.

Auch das Prozedere am roten Teppich ist für Cannes-Verhältnisse erstaunlich politisch unkorrekt: Bei jeder Galavorführung scheint die Schönste im ganzen Land gesucht zu werden, fast wie bei einer Castingshow. Frauen drehen sich in teurer Designerware vor den Kameras. Männer dagegen tragen den Pinguin-Einheitslook. Sie kommen eher ungefährdet die berühmte rote Treppe hinauf – wenn sie nicht gerade Ryan Gosling oder Channing Tatum heißen, beide in diesem Jahr zu Gast.

Dennoch könnte sich in diesen Jahr eine kleine Sensation anbahnen: Schauspielerin Nicole Kidman eröffnete mit „Grace of Monaco“ das Festival, und Jane Campion sitzt der Palmen-Jury vor. Die Neuseeländerin ist die einzige Regisseurin, die je die Goldene Palme nach Hause trug – vor gut zwei Jahrzehnten mit „Das Piano“. Zum Vergleich: Die Berlinale kommt auf vier Siegerinnen. Und Hollywood vergab vor vier Jahren erstmals den Regie-Oscar an eine Frau, die Action-Expertin Kathryn Bigelow.

In Campions Gremium gibt es mit der Regisseurin Sofia Coppola (USA) sowie den Schauspielerinnen Carole Bouquet (Frankreich), Jeon Do-Yeon (Südkorea) und Leila Hatami (Iran) sogar eine weibliche Mehrheit von fünf zu vier männlichen Stimmen (Willem Dafoe, Gael García Bernal, Nicolas Winding Refn, Jia Zhangke). Zieht etwa Gleichberechtigung ein?

Campion, selbst überzeugte Feministin, lobt die positiven Ansätze: Nur sieben Prozent der insgesamt 1800 eingereichten Film hätten Frauen inszeniert, Frémaux aber habe jeden fünften Programmplatz mit Werken aus weiblicher Hand bestückt. Dennoch kann sie sich eine Spitze nicht verkneifen: Das Filmgeschäft sei undemokratisch. Die weibliche Sichtweise auf die Welt komme nicht genügend zur Geltung.

Mal sehen, ob die Jury diese Perspektive bei der Preisvergabe in einer Woche hervorheben wird. In jedem Fall gibt es eine Neuerung: In den Vorjahren veredelten attraktive Frauen wie Audrey Tautou die Abschlussgala. Der aktuelle Zeremonienmeister ist männlich, heißt Lambert Wilson, gilt aber als recht ansehnlich.

„Es geht auch ohne Kino“

Nachgefragt bei Schauspielerin Nicole Kidman

Frau Kidman, können Sie nachvollziehen, warum sich Grace Kelly für ihre Ehe mit Fürst Rainier III. und gegen Hollywood entschied? Sie hat sich für die Liebe entschieden, so, wie das wohl viele Menschen tun. Grace Kelly war ein US-Kinostar, der früh den Oscar gewonnen hatte. Dann hat sie all das hinter sich gelassen, weil sie heiraten und eine Familie gründen wollte. Von dieser Idee geht eine große Schubkraft aus, nicht nur für Frauen.

Und als Hitchcock sie für den Thriller „Marnie“ rief? Da war sie sechs Jahre verheiratet, hatte zwei Kinder, war ein Mensch voller Kreativität und Leidenschaft – und so ein theoretischer Entschluss ist eben doch etwas anderes als die Wirklichkeit. Ich verstehe sehr gut, was da in ihr vorging. Ganz offenkundig habe ich aber nie einen Prinzen geheiratet – so wie sie.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, das Schauspielern für die Liebe aufzugeben? Musste ich nie. Aber ich würde es sofort tun. Ich würde einen anderen Lebensinhalt finden. Ich habe zuvor auch ohne Hollywood existiert. Als ich 2003 den Oscar gewann, befand ich mich in der einsamsten Phase meines Lebens. Die größten beruflichen Erfolge gingen bei mir einher mit den größten privaten Tiefs. Wer aber Kinder hat, kennt die Kraft der Elternliebe: Wenn du diese Selbstlosigkeit spürst, verändert das die Perspektive auf dein Leben.

Aufgezeichnet von: Stefan Stosch

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