Forderung von Experten

Mehr Geld für Kampf gegen Jugendkriminalität

Hannover - Prävention, Kooperationen und ambulante Kurse sind nach Meinung des Landesvorsitzenden der Jugendgerichtshilfe, Siegfried Löprick, die besten Mittel zur Eindämmung von Jugendkriminalität. Dafür müsse aber mehr Geld fließen.

Die Arbeit mit jugendlichen Straftätern ist in Niedersachsen nach Ansicht des Jugendgerichtsvorsitzenden Siegfried Löprick auf dem richtigen Weg. „Die Zahl der Straftaten junger Menschen ist in Niedersachsen zurückgegangen“, sagte Löprick in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Als Gründe für diesen Trend nannte der 60-Jährige ambulante Projekte zur Ursachen-Bekämpfung von Jugend-Kriminalität und erfolgreiche Präventionsmaßnahmen.

Gleichwohl sind nach Löpricks Auffassung die bisherigen Investitionen unter anderem in Kurse und Trainingseinheiten in Höhe von etwa zwei Millionen Euro zu wenig. „Solche Kurse sind sehr erfolgreich, aber es gibt nicht genügend Plätze“, kritisierte Löprick. Außerdem behinderten oft kurze Projektlaufzeiten von nur einem Jahr eine langfristig angelegte Arbeit.

„Auf lange Sicht ist die teuerste Form der Bekämpfung jugendlicher Kriminalität die Unterbringung der Täter im geschlossenen Vollzug“, sagte Löprick. „Die Rückfallquote von Jugendlichen, die an ambulanten Maßnahmen teilnehmen, ist deutlich geringer, als die von Straftätern im Jugendvollzug.“ Zu diesen Maßnahmen gehören soziales Training, Anti-Aggressionskurse oder Workshops zur Bewerbung um Ausbildungsplätze.

Eigentumsdelikte und Körperverletzung sind nach Angaben Siegfried Löpricks die häufigsten Vergehen niedersächsischer Jugendlicher. Vergangenes Jahr wurden landesweit 552.257 Delikte verzeichnet - etwa 30.000 weniger als im Vorjahr.

Positiv bewertete Löprick die jüngsten Bemühungen des Landes, Kooperationen zwischen Polizei, Schulen, der Justiz und der Staatsanwaltschaft zu etablieren. „Bei Schulschwänzern hat es beispielsweise keinen Sinn, ein Bußgeld zu verhängen, wenn nicht nach den Ursachen für das Verhalten des Schülers gefragt wird.“

Siegfried Löprick ist Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbandes der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen. Der 60-Jährige arbeitet außerdem als Lehrer im Jugendvollzug Göttingen. Über den Umgang mit jungen Straftätern diskutieren Vertreter von Polizei, Justiz, Wissenschaft und Politik am kommenden Mittwoch beim 22. niedersächsischen Jugendgerichtstag.

dpa

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