Leben auf der Straße in Niedersachsen

Mehr Obdachlose suchen Hilfe

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Foto: Obdachlosigkeit in Niedersachsen: Besonders in großen Städten wie Hannover oder Braunschweig suchen mehr Obdachlose Hilfe. (Symbolfoto)

Braunschweig - Das Problem der Obdachlosigkeit in Niedersachsen nimmt zu. Jedes Jahr suchen mehr Menschen nach professioneller Hilfe. Auch immer mehr junge Menschen sind vom Leben auf der Straße bedroht.

Immer mehr Menschen in Niedersachsen suchen Hilfe, weil sie obdachlos sind oder ihnen die Obdachlosigkeit droht. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht, den die Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen (ZBS) am Mittwoch in Braunschweig vorgestellt hat. 2011 verzeichneten die Helfer in den Beratungsstellen demnach 7754 Erstkontakte mit Menschen, die Hilfe wegen Obdachlosigkeit suchten. "Seit 2005 steigt die Hilfenachfrage kontinuierlich an", sagte Uwe Söhl von der ZBS in Braunschweig. Von den Hilfesuchenden im Jahr 2011 seien 1532 Menschen in die ambulante und stationäre Betreuung aufgenommen worden.

Zum Stichtag am 31. Dezember 2011 sind in Niedersachsen insgesamt 1779 Personen betreut worden. Zu diesem Zeitpunkt waren fast 4200 Menschen in Obdachlosenunterkünften untergebracht. "Es ist meist eine Problembündelung, die zu biografischen Brüchen führt - Todesfall, Jobverlust, eine schwere Krankheit", sagte Maik Gildner von der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten in Braunschweig.

Erst vor wenigen Tagen ist ein 41-jähriger Obdachloser in einem Kleingarten in Braunschweig erfroren. Sorge bereitet den Helfern, dass auch immer mehr junge Menschen Beratung suchen. "Der Anteil junger Menschen wächst erheblich", sagte Söhl. Der Anteil Hilfesuchender unter 25 Jahren an den Erstkontakten sei von 13 Prozent im Jahr 2004 auf fast 19 Prozent 2011 gestiegen. Dies sei auch eine Folge der Hartz-4-Gesetzgebung, nach der Empfänger unter 25 Jahren keinen Anspruch auf eine eigene Wohnung haben und wegen familiärer Konflikte auf der Straße enden. "Meist knallt es, wenn sie im Kinderzimmer wohnen müssen", sagte Söhl.

Grund für die steigende Hilfsbedürftigkeit sei die Armut in der Bevölkerung und der schwierige Wohnungsmarkt. "Besonders in größeren Städten wie Wolfsburg, Braunschweig oder Göttingen geht fast nichts mehr", meinte Söhl. Große Städte wie Hannover bräuchten mehr Personal für die Beratung. Söhl forderte zudem Präventionsprogramme in den Kommunen, damit früher geholfen werden könne.

dpa

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