Gewitter in Hannover und NRW

Mehrere Menschen sterben bei Unwetter

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Foto: Das Unwetter soll in NRW das stärkste der vergangenen zehn Jahre gewesen sein.

Hannover/Düsseldorf - Orkanböen, Starkregen und heftige Blitze: Wie eine Walze zog eine Gewitterfront über Nordrhein-Westfalen am Pfingstmontag hinweg. Mindestens sechs Menschen fielen dem schweren Unwetter zum Opfer.

Beim schwersten Unwetter in Nordrhein-Westfalen seit Jahren sind am Montagabend mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Der Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft wurde zeitweise unterbrochen. Feuerwehren und Polizei waren im Dauereinsatz.

In Düsseldorf stürzte eine große Pappel auf ein Gartenhaus, in dem mehrere Menschen Zuflucht vor dem Unwetter gesucht hatte. Allein bei diesem tragischen Unglück verloren drei Menschen ihr Leben. Das bestätigte ein Feuerwehrsprecher der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht zum Dienstag. Feuerwehrleute konnten aus den Trümmern des Gartenhauses neben den Toten noch zwei Schwerverletzte und einen Leichtverletzten retten.

In Köln wurde am Montagabend ein Mann von einem Baum erschlagen, wie die Polizei mitteilte. Vermutlich durch einen Blitzeinschlag sei ein etwa 20 Meter hohe Baum in der Mitte durchgebrochen. Die Buche stürzte auf die Fahrbahn und traf den Radfahrer. Dabei erlitt der etwa 50-jährige Mann schwerste Verletzungen. Er starb noch an der Unfallstelle. Auch in Krefeld sei ein Mann ums Leben gekommen, teilte die Polizei am Dienstagmorgen mit. Der Radfahrer sei von einem umstürzenden Baum erschlagen worden.In Essen starb ein Mann vermutlich bei Aufräumarbeiten. Er hatte nach ersten Informationen der Polizei kurz vor Mitternacht versucht, im Stadtteil Kray die Fahrbahn zu räumen. Zur genauen Todesursache konnten die Ermittler allerdings noch nichts sagen.

Stärkstes Unwetter seit zehn Jahren

Reihenweise umgeknickte Bäume, überflutete Straßen und Hagelkörner so groß wie Zwei-Euro-Münzen: Unwetter richteten am Pfingstmontag vielerorts in Nordrhein-Westfalen große Schäden an. Viele Menschen wurden von den Wetterunbilden in Angst und Schrecken versetzt und sagten spontan, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten. Die Einsatzkräfte in vielen Kommunen hatten alle Hände voll zu tun, Hilferufe abzuarbeiten und Schäden zu beseitigen. „Wir haben alle Beamte im Einsatz, die verfügbar sind – inklusive Bereitschaftspolizei“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums der Landespolizei in der Nacht zum Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Das Unwetter war nach Einschätzung eines Wetterexperten eines der stärksten seit Jahren in dem bevölkerungsreichsten Bundesland. „Eine komplette Gewitterlinie ist über Nordrhein-Westfalen gezogen und jeder hat etwas mitbekommen“, sagte Meteorologe Lars Dahlstrom von der Meteogroup Unwetterzentrale in Bochum in der Nacht zum Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Schwere des sommerlichen Unwetters mit Starkregen und Hagel, das wie eine Walze über das Bundesland rollte, machte er vor allem an den hohen Windgeschwindigkeiten fest.

Am Düsseldorfer Flughafen seien 145 Stundenkilometer gemessen worden, in Neuss 133 und in Castrop-Rauxel 124 Stundenkilometer. „Das sind alles Orkanstärken“, betonte er. An zehn Stationen in NRW habe die Windgeschwindigkeit bei über 100 Kilometern pro Stunde gelegen. „Im Sommer reichen schon 90 km/h, um Bäume umzuknicken, weil sie viel Laub tragen“, erläuterte der Meteorologe. Die Gewitter seien relativ schnell weitergezogen. Dennoch sei örtlich auch viel Regen gefallen. In Bochum-Weitmar seien es rund 40 Liter in nur einer Stunde gewesen. Regen von mehr als 30 Litern je Stunde könne die Kanalisation meist nicht fassen. Viele Blitze bedeuteten zudem eine große Gefährdung.

Ausfälle bei der Bahn

Die Deutsche Bahn unterbrach am Montagabend ihren Zugverkehr im Rheinland vorsorglich. In den Bereichen Köln, Aachen, Düren, Bonn, Düsseldorf und Duisburg wurden Züge nach Angaben eines Sprechers an Bahnhöfen zurückgehalten. Am Airport Düsseldorf war der Flugverkehr von dem Unwetter eine Stunde lang lahmgelegt. Der Flughafen der Landeshauptstadt stellte seinen Flugbetrieb von 21.00 bis 22.00 Uhr wegen Sturmböen ein, wie ein Airport-Sprecher schilderte.

Im Sauerland gab es am Montagnachmittag in einigen Orten heftige Niederschläge. So schlug in Warstein binnen Minuten das heiße Wetter plötzlich in Hagel um. Die Hagelkörner hatten dabei nach einem Augenzeugenbericht eine Größe von bis zu einem Zwei-Euro-Münzstück. In Brilon fiel Starkregen. „Es war kurz und heftig“, sagte ein Polizeisprecher. Im Ortsteil Brilon-Messinghausen ergoss sich nach dem starken Regen am späten Montagnachmittag eine Schlammlawine auf eine Straße. Verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand.

dpa/jos

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