Pflanzenschau in Westerstede

Mekka für Rhododendronfans

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Foto: In Westerstede öffnet Europas größte Rhododendronschau.

Westerstede - Alle vier Jahre verwandelt sich die Innenstadt von Westerstede in ein Gartenwunderland. Bei Europas größter Rhododendronschau zeigen die Aussteller ihre Ideen rund um die blühenden Stars der Ausstellung.

Wenn sich der Marktplatz von Westerstede in eine blühende Gebirgslandschaft verwandelt, steht Europas größte Rhododendronschau bevor. Alle vier Jahre herrscht in der Kreisstadt des Ammerlands Ausnahmezustand. Von diesem Samstag an bis zum 26. Mai sollen sich mindestens 80 000 Besucher rund um die aus Granit und Backstein gebaute Kirche von den Ideen der Landschaftsarchitekten und Gärtner inspirieren lassen.

Aufgabe der vielen Helfer ist nicht nur, aus 1200 Kubikmetern Torf und 85 Tonnen Schotter, aus Felsblöcken und Baumstämmen eine harmonische Landschaft in die Stadtkulisse einzufügen. „Die Kunst ist, alles innerhalb von zehn Tagen zum Blühen zu bringen“, sagt Sandra Wiedau, die für das Stadtmarketing in Westerstede verantwortlich ist. Welche Klimmzüge dafür manchmal nötig sind, weiß der Rhododendronexperte der Baumschule Bruns, Gerd Eiting, ganz genau: „Erst waren die Pflanzen draußen, dann hatten wir sie im Gewächshaus, danach standen sie dunkel und kühl.“

Ein Rundblick in der fast fertigen Anlage zeigt, dass das alles richtig war: Von dicken Knospen bis zu vollen Blüten in rot, weiß und gelb, in Rosa- und Orangetönen ist alles dabei. Die zum Teil fünf Meter hohen und bis über 80 Jahre alten Rhododendren haben den milden Winter überstanden.

Rhododendren, die zur Familie der Heidekrautgewächse gehören und ursprünglich aus den asiatischen Gebirgen stammen, sind für das Ammerland so etwas wie ein Erkennungsmerkmal - und ein Wirtschaftsfaktor. Mehrere Millionen Stück werden in dem Landstrich zwischen Oldenburg und Ostfriesland jedes Jahr gezogen, weiß Baumschulchef Gerd Robben. In seinem Betrieb erwirtschaftet er etwa ein Drittel des Umsatzes mit Rhododendren. Kurz vor dem Ruhestand kennt er die Moden und Kundenwünsche aus mehreren Jahrzehnten. Der allgemeine Farbtrend gelte immer auch im Garten. „Jetzt ist lila gefragt.“ Vor 15 Jahren sei rosa in Mode gewesen. Junge Leute seien noch nicht so sehr für Rhododendren zu begeistern, doch das ändere sich meist, wenn sie etwas älter werden.

Immer mitten im gut geordneten Gewusel der Aufbauarbeiten steckt der eigentliche Gestalter der Rhodo 2014. Landschaftsarchitekt Niels Blatt aus Bremen hat das Konzept für die Schau entworfen. Es ist seine erste Schau. Mit der Gestaltung des Marktplatzes als Gebirgslandschaft will er die Heimat der auch Alpenrose genannten Pflanze zeigen. Der zentrale Bereich ist entsprechend in frischen und eher kühlen Tönen gehalten. Auffällig sind große, akkurat kastenförmig beschnittene Linden, deren Kronen mit weißem Tuch verhüllt sind. Ob die Besucher in ihnen Wolken erkennen? „Auf jeden Fall ist das Gesprächsstoff“, glaubt Marketingchefin Wiedau.

Für den allgemeinen Vertreter des Westersteder Bürgermeisters, Rolf Streekmann, zählen alle vier Jahre am Ende der Rhodo auch die Zahlen. Der städtische Etat für die Schau liegt bei mehreren Hunderttausend Euro. Wie viel davon direkt wieder in die Kasse kommt, hängt vom Zuschauerinteresse und damit auch vom Wetter ab. Wertvoll seien aber auch die indirekten Effekte, ist Streekmann überzeugt. „Das ist eine Veranstaltung, die die Stadt prägt.“ Der Rhododendron sei schließlich ein Markenzeichen. Das Ammerland ist mit mehr als 300 Vollerwerbsbetrieben und tausenden Mitarbeitern die wichtigste Baumschulregion in Deutschland.

lni

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