Flutkatastrophe

Merkel macht neue Schulden für Flutopfer

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Foto: Leichte Entspannung am Hochwasser-Gebiet in Lauenburg: Der Anstieg der Elbe scheint gestoppt. Helfer des THW gehen durch die überflutete Stadt.

- Die Pegelstände in Norddeutschland sinken - trotz Dauerregen, der am Abend einsetzt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern bleibt die Lage angespannt. Zumindest finanziell gibt es einen kleinen Trost: Die Flutopfer sollen acht Milliarden Euro aus einem Fonds bekommen.

21:01 Uhr: Nach Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister de Maizière kommt nun auch der Bundespräsident: Joachim Gauck wird am Freitag das Hochwassergebiet in Deggendorf/Bayern besuchen. Er will den vielen tausend Helfern und Einsatzkräften danken und den Hochwasser-Betroffenen Mut zusprechen. Nach einem Lagebericht in der Einsatzzentrale trifft sich der Bundespräsident in der Technischen Hochschule Deggendorf mit Studenten, die die Arbeit der freiwilligen Helfer koordinieren. Begleitet wird Gauck vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Am vergangenen Sonntag hatte Gauck die Hochwasser-Städte Halle an der Saale und Meißen in Sachsen besucht. Von der aktuellen Lage und dem Besuch des Ministers berichten wir auch am Freitag. Damit beenden wir den Liveticker zum Hochwasser für heute.

20:13 Uhr: Schluss mit Sonnenschein im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Seit einiger Zeit regnet es ununterbrochen. Die Einsatzkräfte haben an vielen Stellen Planen über die Notdeiche gelegt, damit sie nicht auch noch vom Regen durchnässt werden. Auch in den nächsten Tagen werden Niederschläge erwartet.

19.07 Uhr: Die Europaminister der Länder wollen EU-Fördermittel auch für Hochwasseropfer einsetzen. Nach ihrer Ansicht sollte geregelt werden, dass Gelder aus den Strukturfonds und dem Fonds für den ländlichen Raum in der verbliebenen Förderperiode bis Ende 2013 flexibel dafür verwendet werden können. "Wir haben es mit einer Flut bislang unbekannten Ausmaßes zu tun", betonte der Vorsitzende der Europaministerkonferenz der Länder, Brandenburgs Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers (Linke), am Donnerstag. Das Angebot der EU-Kommission zur Unterstützung der betroffenen Gebiete werde begrüßt.

17.50 Uhr: Trotz weiter rückläufiger Elbe-Pegelstände weicht die Anspannung in Mecklenburg-Vorpommern nicht. An immer mehr Stellen sickert Wasser durch die vollgesogenen Deiche, wie ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim sagte. Sie würden mit Sandsäcken abgedichtet. Noch immer führe die Elbe mehr Wasser als bei der Rekord-Flut im Januar 2011. Die Pegelstände unterschritten am Donnerstag in Dömitz erstmals die Sieben-Meter-Marke. Derzeit sinkt das Wasser um knapp einen Zentimeter in der Stunde. Normalerweise liegt der Wasserstand der Elbe hier um die zwei Meter. Der Katastrophenalarm werde aufrechterhalten.

17.21 Uhr: In Hitzacker lag der Pegelstand am Donnerstag knapp unter acht Metern - am Abend zuvor waren es noch 8,07 (normal: 2,67 Meter) gewesen. Die Bundeswehr überwacht seit Tagen in den niedersächsischen Flutgebieten die Deiche. Verteidigungsminister Thomas de Maizière bedankte sich auf einem Feld bei Penkefitz im Kreis Lüchow-Dannenberg bei den Soldaten für ihren Einsatz. Es sei der bisher größte Flut- und Katastropheneinsatz, den die Bundeswehr je hatte. Bei sinkenden Wasserständen waren die Einheiten damit beschäftigt, die Deiche mit Sandsäcken auf der Rückseite zu verstärken.

16:45 Uhr: Etwa jeder sechste Deutsche hat laut einer Umfrage schon für die Opfer der aktuellen Flutkatastrophe gespendet. Das berichtete am Donnerstag das Meinungsforschungsinstitut YouGov in Köln. Gefragt wurde nach der Bereitschaft, Geld oder Sachspenden für Betroffene der Hochwasserkatastrophe in Süd- und Ostdeutschland beizusteuern. 40 Prozent der Bundesbürger sind demnach bereit, einen Beitrag zu den Spendenaktionen zu leisten. 27 Prozent wollten nicht spenden und 15 Prozent hatten bereits eine Spende getätigt. 18 Prozent sagten: "Ich weiß nicht."

16:05 Uhr: Landwirte und Bundeswehrsoldaten haben in Sachsen-Anhalt gemeinsam Tausende Tiere vor dem Hochwasser in Sicherheit gebracht. Etwa 10.000 Rinder, davon 1500 Milchkühe, und mehr als 1000 Schweine seien vor allem nördlich von Magdeburg und im Landkreis Stendal in andere Ställe gebracht worden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landsbauernverbands, Fritz Schumann, der Nachrichtenagentur dpa. "Die Tiere sind nicht abgesoffen, sie leben jetzt auf höheren Inseln", sagte er. Rinder und Schweine würden über das Wasser mit Futter versorgt.

15.40 Uhr: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte ein Bund-Länder-Konzept zum Hochwasserschutz. Er will am kommenden Dienstag eine Regierungserklärung zum Elbe-Hochwasser abgeben. Im Anschluss an Weils Erklärung will der Landtag zudem einen Antrag der FDP zum Hochwasserschutz beraten. Unter anderem fordern die Liberalen mehr Landesgelder für Schutzmaßnahmen, eine länderübergreifende Zusammenarbeit der Elbe-Anrainerländer und bei Bedarf auch höhere Deiche.

14.57 Uhr: Der von Bund und Ländern getragene Fluthilfe-Fonds wird ein Volumen von etwa acht Milliarden Euro haben. Das teilte Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) am Donnerstag in Berlin nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit.

13.34 Uhr: Ein Durchbruch in einer Landstraße lässt erste Wassermassen aus der überschwemmten Region bei Fischbeck nun in Richtung Havelpolder ablaufen. Die Bundeswehr hatte am Morgen in dem Hochwassergebiet im Landkreis Stendal einen rund 50 Meter breiten Durchfluss geschaffen, wie der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mitteilte. Bisher hatten sich die Wassermassen dort nach einem Deichbruch an der höher gelegenen Straße gestaut. Nach Angaben des Krisenstabs sind in dem Gebiet inzwischen rund 6400 Menschen in Sicherheit gebracht worden.

12.46 Uhr: Das Elbehochwasser in Lauenburg hat seinen höchsten Stand offenbar überschritten. Am Vormittag lag der Pegel in Lauenburg bei 9,50 Meter. Gegen Mitternacht hatte er noch bei 9,56 Meter gelegen. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, sagte Krisenstabsprecher Peter Schütt. Derzeit prüfen Experten, wann mit dem Abpumpen des Wassers aus der Elbstraße begonnen werden kann. "Das hängt nicht nur vom Wasserstand, sondern auch vom Zustand der Straße ab, denn die Pumpen sind schwer und müssen von schweren Lastwagen gezogen werden", sagte Schütt. Die Frage des Pumpeneinsatzes sei derzeit das Kernthema im Krisenstab, sagte Schütt. "Die Anwohner wollen natürlich so schnell wie möglich in ihre Häuser zurück. Aber das geht erst, wenn wieder Strom da ist und die Gebäude von Bausachverständigen auf ihre Standfestigkeit überprüft worden sind. Beides ist erst möglich, wenn die Elbstraße trocken ist", sagte er. Durch die Überprüfung der Gebäude soll ausgeschlossen werden, dass sie wegen unterspülter Fundamente einstürzen und womöglich Nachbargebäude mitreißen.

12.05 Uhr: Um Schwachstellen in aufgeweichten Deichen zu entdecken, setzen Geo-Experten aus Hannover vom Hubschrauber aus eine Wärmebildkamera ein. Nach einem Testflug im Raum Magdeburg sollte der Hubschrauber am Donnerstag an der Elbe zwischen Lenzen in Mecklenburg-Vorpommern und dem niedersächsischen Gorleben zum Einsatz kommen, teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit. Das Projekt sei positiv verlaufen, bei Magdeburg seien bereits Sickerwasserstellen treffsicher entdeckt worden, sagte ein Sprecher. Eine Ortsbegehung habe die aus 300 Metern Höhe vom Hubschrauber aus entdeckten Schwachstellen bestätigt. Auf den Thermalbildern sind die durchweichten Partien zu erkennen, weil sie eine um drei bis fünf Grad niedrigere Temperatur haben, als die übrigen Flächen. Auch Qualmwasser, das bei einer Unterströmung eines Deiches auftritt, kann an seiner niedrigeren Temperatur erkannt werden. Ziel sei es, in Zukunft durch ein Abfliegen der Deiche und Dämme mit einer Thermalkamera auffällige Temperaturmuster und damit mögliche Schwachstellen zu registrieren. Die gewonnenen Daten können dann in Karten oder Luftbildern den Einsatzkräften bereits vorab und während eines Hochwassers zur Verfügung gestellt werden. Einen Einsatz von Thermalkameras vom Hubschrauber aus hat es bereits in den achtziger Jahren gegeben. Jedoch liegen keine umfassenden aktuellen Karten mehr vor, die dazu beitragen können, auffällige Durchsickerungsstellen zu erkennen. Eine jetzt eingesetzte neue Methode soll es ermöglichen, Problempunkte noch besser zu lokalisieren und analysieren.

11.43 Uhr: Die derzeitige Flut wird nach Einschätzung von Experten teurer als die Katastrophe vor elf Jahren. Die Ratingagentur Fitch schätzte die Schäden durch die Überschwemmung von Elbe, Donau und Saale auf rund zwölf Milliarden Euro. Das wäre rund eine halbe Milliarde Euro mehr als 2002 beim Hochwasser an Elbe und Oder. Damals hatten Bund und Länder die Flutopfer nach Angaben des Finanzministeriums mit einem Hilfsfonds in Höhe von sechseinhalb Milliarden Euro unterstützt.

11.10 Uhr: Knapp zwei Wochen nach Beginn des verheerenden Hochwassers in weiten Teilen Bayerns ebbt auch die zweite Flutwelle ab. Laut dem amtlichen Hochwasserlagebericht vom Donnerstagmorgen lag der höchste Punkt der ablaufenden Hochwasserwelle der Donau im niederbayerischen Raum Pfelling und Deggendorf. Neue für den Abend vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagte Schauer und Gewitter mit starkem Regen könnten örtlich zu einem Anstieg der Wasserstände führen. Großen Einfluss auf die abfließende Hochwasserwelle der Donau hätten sie aber nicht mehr.

10.40 Uhr: Die Hochwasserlage in Magdeburg entspannt sich deutlich. Inzwischen können alle Bewohner der ostelbischen Ortsteile wieder in ihre Häuser zurück, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Auch die Beschränkungen für Randau-Calenberge und Pechau seien aufgehoben. Am Freitag soll an den Schulen der Unterricht wieder anlaufen. Die Schulen, in denen Einsatzkräfte und Flutopfer untergebracht worden waren, werden frei.

10.15 Uhr : Die Regierungschefs von Bund und Ländern wollen sich an diesem Donnerstag in Berlin über die Hilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Auf Bundesseite ist ein Aufbaufonds mit bis zu acht Milliarden Euro im Gespräch. Das Geld sollen Bund und Länder jeweils zur Hälfte aufbringen. Damit würde die Hilfe weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als "Jahrhundertflut" eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

9.08 Uhr: In Sachsen-Anhalt stehen ganze Landstriche meterhoch unter Wasser. Allein 1100 Quadratkilometer Agrarflächen sind nach Schätzungen des Bauernverbandes landesweit überflutet. Das Hochwasser wird für viele Wildtiere zur Todesfalle. Roland Gramling von der Umweltschutzorganisation WWF: "Fast ohne jede Chance sind Kleintiere wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen. Viele sind in ihren unterirdischen Bauten ertrunken. Eine ernsthafte Chance zur Flucht hatten sie nicht. Gleiches gilt für Bodenbrüter, die auf der Erde ihre Nester haben oder für Vögel, die im niedrigen Schilf gerade ihren Nachwuchs großziehen. Es ist Nistzeit, die Jungtiere sind noch nicht flügge und die Elterntiere nicht in der Lage, sie zu retten."

8.33 Uhr: Leichte Entspannung am Hochwasser-Gebiet im schleswig-holsteinischen Lauenburg: Der Anstieg der Elbe scheint gestoppt. Der Wasserstand ist in der Nacht zum Donnerstag um rund sechs Zentimeter gefallen. Am frühen Morgen lag der Pegel in Lauenburg bei 9,50 Meter. Gegen Mitternacht hatte er noch bei 9,56 Meter gelegen. Die Lage habe sich weitgehend stabilisiert, an den Deichen seien bislang keine Risse festgestellt worden, teilte ein Sprecher des Krisenstabs mit. Er rechnete damit, dass der Wasserstand im Laufe des Tages weiter zurückgehen wird.

7.11 Uhr: Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wird heute gegen 10.50 Uhr in Dannenberg im Hochwassergebiet an der Elbe eingesetzte Soldaten treffen. Er wolle sich ein Bild von der Lage machen und mit Soldaten des Logistikbataillons 141 sprechen, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Niedersachsen mit. Derzeit seien insgesamt 2000 Soldaten im Hochwassereinsatz, rund 2900 stünden als Reserve bereit. Die Bundeswehr überwacht in Niedersachsen mit Aufklärungsflugzeugen die Deiche. Am vergangenen Freitag hatte de Maizière Soldaten am Zusammenfluss von Elbe und Saale südlich von Magdeburg bei ihrem Einsatz besucht.

7.05 Uhr: In den Flutregionen der Elbe sind die Pegelstände in der Nacht zum Donnerstag fast überall weiter zurückgegangen. In Hitzacker in Niedersachsen lag der Wert am frühen Donnerstagmorgen knapp unter acht Metern – am Abend zuvor waren es noch 8,07 gewesen. Nach Angaben des Landkreises Lüchow-Dannenberg blieb die Nacht ruhig. Das Hochwasser ist leicht zurück gegangen.

In Bleckede (Landkreis Lüneburg) betrug der Wasserstand zum selben Zeitpunkt etwa drei Zentimeter weniger als am Abend zuvor. Einsatzkräfte errichteten eine zweite Deichlinie bei Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg).

Zwar sei in Wussegel bei Hitzacker an mehreren Stellen Wasser durch die Deiche gesickert, die Lage sei jedoch unter Kontrolle, sagte die Sprecherin. Zeitweise drohte in der Nähe des kleinen Ortes auch ein Baum auf eine Schutzmauer zu stürzen. Ob der Baum weiterhin eine Gefahr darstellt und gefällt werden muss, werde im Laufe des Vormittags feststehen, hieß es.

Am Pegel Hohnstorf bei Lauenburg in Schleswig-Holstein wurden knapp neuneinhalb Meter gemessen. Ursprünglich waren für Lauenburg Pegelstände von zehn Metern und mehr prognostiziert worden. In Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern waren es knapp unter 7 Meter. Am Dienstag war hier noch der Höchstwert mit 7,21 Metern registriert worden. Nach wie vor besteht aber die Gefahr von Deichbrüchen.

In der Katastrophenregion im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wurden bis zum späten Mittwochabend noch Menschen in Sicherheit gebracht. Einige weigerten sich nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung jedoch, ihre Häuser zu verlassen. Sie sollten im Laufe des Tages mit Booten und Hubschraubern mit Lebensmitteln versorgt werden. Durch die Bruchstelle des Elbdeichs bei Fischbeck fließt nach wie vor Wasser ins Hinterland. Bereits in der Nacht zum Montag war der Deich gebrochen. Seither sind weite Landstriche überflutet worden. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

7.02 Uhr: Bund und Länder wollen sich heute auf Milliardenhilfen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe verständigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft am Nachmittag mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin zusammen. Dabei soll unter anderem über einen Aufbaufonds für Flutschäden beraten werden.

Im Gespräch ist ein Hilfspaket von bis zu acht Milliarden Euro, das je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden soll. Damit würde die Unterstützung weitaus höher ausfallen als 2002. Bei der damals als „Jahrhundertflut“ eingestuften Katastrophe wurden etwa 6,5 Milliarden Euro abgerufen.

dpa/mhu/sup

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