Nach Verkehrsunfall

Metzger schlachten 700 Ferkel auf der Autobahn

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Ebersberg - Der Unfall eines Ferkeltransporters hat ein blutiges Ende genommen. Rund 700 lautstark quiekende Babyschweine mussten auf der Autobahn 99 in Oberbayern noch an der Unfallstelle notgeschlachtet werden. Laut Augenzeugenberichten wurden am Straßenrand Zelte für die Massenschlachtung aufgebaut.

Der 73-jährige Fahrer des Viehtransporters war nach Angaben der Polizei in der Nacht auf Freitag kurz vor der Raststätte Vaterstätten (Landkreis Ebersberg) mit seinem Lkw von der Fahrbahn abgekommen. Der Lastwagen kippte in eine Böschung und blieb auf der Seite liegen.

Weil kein Ersatztransporter organisiert werden konnte und die Jungschweine die Minusgrade nicht lange überlebt hätten, wurde auf Anordnung der Amtstierärztin umgehend mit der Schlachtung begonnen. Mehrere Metzger aus der Umgebung wurden dazu aus dem Bett geklingelt und zur Unfallstelle gerufen.

Keine Ermittlungen gegen den Lkw-Fahrer

Bei der mehrstündigen Massenschlachtung sei alles nach Vorschrift gelaufen, betonte eine Sprecherin des Landratsamts Ebersberg. Die Tiere wurden zunächst betäubt und anschließend getötet. Aufgrund des in der Stresssituation beim Unfall ausgestoßenen Adrenalins sei das Fleisch nicht mehr verwertbar. Ursprünglich sollten die Ferkel aus Dänemark zur Mast nach Italien transportiert werden. Die Kadaver werden in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt.

Wegen der Bergung des Sattelzugs wurde die A 99 in Richtung Salzburg für mehrere Stunden komplett gesperrt. Autofahrer standen teils länger als eine Stunde im Stau, wie ein Augenzeuge sagte. Dabei hätten sie das Quieken der Schweine stets mit anhören müssen.

Ermittlungen gegen den 73-jährigen Fahrer oder das Unternehmen wurden nicht eingeleitet. Ein Polizeisprecher sagte, der Unfall sei wegen eines Fahrfehlers geschehen, der jedem hätte passieren können. Feuerwehr und THW waren mit mehr als 100 Kräften im Einsatz. Es entstand ein Sachschaden im sechsstelligen Bereich.

Die Tierschutzvereinigung Peta forderte ein grundsätzliches Verbot von Transporten lebender Tiere. In einem ersten Schritt müsse die maximale Transportdauer von teils mehr als 24 Stunden auf acht Stunden am Stück reduziert werden, sagte eine Peta-Sprecherin. Tiere litten währen der Fahrt unter der Enge, Temperaturschwankungen, Hunger oder Durst, kritisierte sie. Zudem zögen sie sich dabei immer wieder Verletzungen zu.

dapd

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