Millionendeal

Mexiko sponsert eigenes Bond-Girl

+

Mexiko Stadt - Für einen Millionenbetrag haben sich mexikanische Behörden in den neuen Bond-Film „Spectre" eingekauft: Wegen des Deals wurden dem Originaldrehbuch einige Szenen hinzugefügt. Passend dazu wurde bekannt, dass die mexikanische Schauspielerin Stephanie Sigman die Rolle des dritten Bond-Girls übernehmen wird.

Der weltbekannte Spion kommt in die Stadt: Von Donnerstag an surren die Kameras für den neuen James-Bond-Film „Spectre“ auch in Mexiko. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt werden bis Anfang April einige Einstellungen gedreht, die zu Beginn des Actionstreifens zu sehen sein werden. Szenen im historischen Zentrum, Bilder aus einem Hotelzimmer, eine Verfolgungsjagd am berühmten „Tag der Toten“ (Allerseelen). Und auch eine Hubschrauber-Sequenz mit 007-Darsteller Daniel Craig ist geplant, in der man das moderne Antlitz der Metropole bestaunen kann.

Aber offensichtlich standen nicht all diese Sequenzen auch im Originaldrehbuch, sondern wurden auf Wunsch mexikanischer Behörden hinzugefügt oder geändert. So behauptet es zumindest die auf Steuerthemen spezialisierte Website „Tax Analysts“. Nach Angaben der Steuerexperten hat die Bond-Produktion Zugeständnisse an die Mexikaner aus Kostengründen gemacht und dafür sogar Charaktere ausgetauscht und Besetzungswünsche akzeptiert. Für vier Minuten Mexiko, hübsch verpackt, seien im Gegenzug zwischen 14 und 20 Millionen Dollar an Steuererleichterungen und Fördergelder zugesagt worden, schreibt „Tax Analysts“.

Hintergrund soll sein, dass den Produktionsfirmen Sony Pictures Entertainment und Metro-Gold-wyn-Mayer Studios Inc. (MGM) die Kosten für den Film davonzulaufen drohen. Die 24. Bond-Ausgabe kostet offenbar über 300 Millionen Dollar und damit rund 50 Millionen Dollar mehr als ihr Vorgänger „Skyfall“ und wäre somit einer der teuersten Streifen in der Filmgeschichte. Die Informationen, auf die sich die Website beruft, sollen aus E-Mails stammen, die durch den Hackerangriff auf Sony Pictures im Dezember zugänglich wurden.

Diese E-Mails, aus denen „Tax Analysts“ zitiert, legen den Schluss nahe, dass die Produzenten so unter Spardruck standen, dass sie sich bereit fanden, ein Stück Drehbuchhoheit an die mexikanischen Behörden abzutreten und deren Änderungswünsche am Skript zum Teil akzeptierten. Sony Pictures in Mexiko wollte sich auf dazu Nachfrage nicht äußern. Und die mexikanischen Filmförderanstalten gaben an, von dem angeblichen Deal nichts zu wissen.

Das Originaldrehbuch sah laut „Tax Analysts“ vor, dass James Bond in Mexiko-Stadt mit der Jagd auf einen Bösewicht namens „Sciarra“ beginnt, der den Bürgermeister der Stadt ermorden will. Aber die Mexikaner hätten durchgesetzt, dass nicht der Bürgermeister, sondern eine „internationale Führungsfigur, vermutlich ein Botschafter, das Opfer gibt und dass der Täter auf keinen Fall ein Mexikaner sein dürfe. Und zur Krönung der Sequenz im Schwellenland Mexiko entschwindet Bond mit dem von „Sciarra“ gestohlenen Helikopter über den Wolkenkratzern von Mexiko-Stadt.

Außerdem hätte die mexikanische Seite verlangt, dass die Frau, die im 007-Hotelzimmer auftaucht, bevor er seine Jagd beginnt, von einer einheimischen Schauspielerin dargestellt wird. Passend dazu wurde Anfang März bekannt, dass die Schauspielerin Stephanie Sigman, bekannt aus dem Drogenthriller „Miss Bala“, die Rolle der „Estrella“ in „Spectre“ übernehmen wird. Der 24. 007-Film ist damit der erste, in dem drei Bond-Girls auftreten, seit Roger Moore 1981 „In tödlicher Mission“ unterwegs war. Auch das legt nahe, dass die Rolle für Sigman erst in letzter Minute ins Skript geschrieben wurde. Da in Mexiko und seinem bizarren Drogenkrieg die Realität längst jede denkbare Fiktion überholt hat, kann man die Behörden beinah verstehen. Mexiko soll angesichts des negativen Images, das das Land spätestens seit der Verschleppung und Ermordung der 43 Studenten in Iguala hat, wenigstens in globalen Filmprojekten einigermaßen gut wegkommen.

Zudem ist es laut den Steuerexperten von „Tax Analysts“ durchaus üblich, dass Städte oder Länder an Drehgenehmigungen Bedingungen knüpfen und eine Art kulturelle Kompatibilität mit dem Drehort fordern. Luis Miguel Aguilar von der Filmkommission von Mexiko-Stadt hält die Vorwürfe dennoch für absurd: „Die James-Bond-Produzenten wachen mit Argusaugen über ihr Skript und lassen da niemanden ran und akzeptieren keine Änderungen“, behauptet Aguilar.

Von Klaus Ehringfeld

5404470

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare