Jugendhaftanstalt Braunschweig

Ministerin lässt Jugendstation schließen

+

Hannover - Monatelang soll ein 17-jähriger Untersuchungshäftling in der Jugendhaftanstalt Braunschweig von Mitgefangenen gequält worden sein, jetzt will Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) die Abteilung schließen lassen.

Die 21 jugendlichen Untersuchungshäftlinge sollen nach Uelzen verlegt werden. Wie das Ministerium gestern im Unterausschuss „Justizvollzug und Straffälligenhilfe“ im Landtag mitteilte, hatte die Prüfung einer Expertenkommission ergeben, dass die räumlichen und personellen Verhältnisse in Braunschweig keinen Schutz vor Gewalttaten ermöglichen. Die U-Häftlinge könnten nicht ausreichend überwacht werden.

Ende Juli hatte sich der 17-Jährige einer Anstaltspsychologin offenbart: Sechs Mitinsassen sollen den Jungen über zwei Monate lang körperlich misshandelt, gedemütigt und vergewaltigt haben. Gegen sie ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Zum Stand des Verfahrens äußerte sich die Justizministerin am Mittwoch nicht. Sie wehrte sich allerdings gegen den Vorwurf der Opposition, den Misshandlungsfall zu früh an die Öffentlichkeit gebracht zu haben.

Man sei sehr bemüht gewesen, die Intimsphäre des mutmaßlichen Opfers zu wahren, sagte ein Ministeriumssprecher. Um die U-Häftlinge in Braunschweig besser schützen zu können, würden sie jetzt länger in ihren Zellen eingeschlossen. Dies sei aber nur eine vorübergehende Lösung. Es gebe landesweit einen riesigen Investitionsrückstau bei den Gefängnissen, kritisierte die Ministerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare